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Keine «Krippenromantik» an Weihnachten

Weihnachten 2019 im Kloster Einsiedeln

Ein Videofilm zu Weihnachten aus dem Kloster Einsiedeln bildete den medialen Auftakt zu den Festtagen im Stift. Viele Menschen strömten zu den Gottesdiensten und zur Krippe in der Stiftskirche.

bgz. Diesmal hatten die Mönche des Klosters Einsiedeln eine spezielle Idee: vor Weihnachten sollte ein Video mit Eindrücken von verschiedenen Mönchen zum Weihnachtsfest auf You-Tube aufgeschaltet werden. Den Anstoss gab Elias Straatz aus Nürnberg. Er hatte ein Video von Jesuiten gesehen, in dem diese ihre Weihnachtserinnerungen erzählten und sah die Möglichkeit, im Kloster Einsiedeln etwas Ähnliches zu realisieren. Flugs wurde bei einem Mitbruder eine videotaugliche Nikon-Kamera ausgeliehen. Und schon stand dieser Mitbruder vor der Linse und erzählte von seiner Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Als Kapellbruder darf er das Gnadenbild mit dem traditionellen Weihnachtsornat, dem Bessler- oder Urner-Kleid, einkleiden. Der gebürtige Urner freut sich dabei über die Tatsache, dass dieses Kleid 1734 von Landammann Carl Alfons Bessler von Wattingen aus dem Kanton Uri zusammen mit seiner Gattin Maria Helena Margaretha Crivelli gestiftet wurde. Bessler war einer der reichsten Urner seiner Zeit und ein Gönner von Klöstern und Kirchen. Das Ehepaar hatte 16 Kinder, 7 Söhne und 9 Töchter.

«Klosterzeit»

Elias Straatz aus Deutschland weilt schon mehrere Wochen im Kloster Einsiedeln. Er verbringt hier seine «Klosterzeit». Dazu wären ihm auch fremdsprachige monastische Einrichtungen offen gewesen. Er fand, dass die gleiche Sprache das Eintauchen in den klösterlichen Kosmos vereinfachen würde. Elias Straatz arbeitet im Kloster mit, erlebt die Gebetszeiten und bekommt so einen Einblick in den Alltag der Einsiedler Mönche. Ein eigentliches Zielpublikum für das Weihnachts-Video kann er nicht angeben. Doch schielt man auf die jüngere Generation. «Ich erhoffe mir, dass es einen Eindruck davon gibt, was das ganz Besondere von Weihnachten für die Mönche bedeutet. » Wird er an Weihnachten im Kloster sein? «Ja, ich werde hier sein.» Und mit einigem Bedauern verweist der junge Mann auf die angekündigten 20 Grad in den vorweihnächtlichen Tagen. «Es wird keinen Schnee haben. Schade!»

Frühe erste Weihnachtsfeier in der Stiftskirche

Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, fand die erste Weihnachtsfeier in der Stiftskirche bereits am 20. Dezember statt. Es war jene der Stiftsschule Einsiedeln. Die jungen Menschen hatten sich für diesen Gottesdienst, dem Pater Patrick Weisser vorstand, unter der beleuchteten Weihnachtskuppel im vorderen Bereich der Stiftskirche eingefunden. Im sonst dunklen Kirchenraum brannten drei Adventskerzen, während im Unteren Chor der Altar und das Kreuz im Hintergrund stimmungsvoll beleuchtet waren.

Zwischen musikalischen Darbietungen suchten eine Schülerin und ein Schüler in einem Dialog nach dem Sinn von Weihnachten. Pater Cyrill Bürgi begann seine Ansprache mit der Frage: «Auf was setze ich mein Vertrauen?» Weihnachten geschehe in der Nacht. Alle würden erkennen, dass hier etwas Grosses geschieht, denn es ist heilige Nacht, eben Weihnacht. Oder wie es am Schluss ein Schüler hoffnungsvoll formulierte: «Dass mir etwas geschenkt wird, etwas, worauf ich vertrauen kann. Vielleicht ein Herz zum Lieben.»

24. und 25. Dezember

Tatsächlich: der Schnee war ausgeblieben! Viele Kerzen erhellten beim Einnachten den Christbaum auf dem Klosterplatz an diesem verregneten 24. Dezember. In der im Oktogon aufgestellten grossen Krippe der Stiftskirche waren die Hauptfiguren noch mit einem schwarzen Tuch abgedeckt. Nur die Hirten und Engel waren sichtbar. Auch so war sie ein Anziehungspunkt. Ein Vater nahte sich mit seinem Kind auf dem Arm. Eine Mutter beugte sich zu ihrer Tochter und flüsterte. Pater Philipp Steiner zelebrierte die erste Weihnachtsmesse in der Gnadenkapelle. In der Einführung sprach er von Weihnachtskarten und erwähnte dabei jene von Äbtissin Imelda aus dem Benediktinerinnenkloster St. Lazarus in Seedorf mit dem Satz: «Weihnachten – in der Krippe findest du alles: die ganze Liebe Gottes.» In seiner Predigt führte Pater Philipp aus, dass sich in Jesus Christus Gott unendlich klein mache, verletzlich auch und bedürftig. «Die Menschwerdung Gottes ist etwas, das wirklich unglaublich erscheint.» Da sei auch die Versuchung gross, angesichts dieses Geheimnisses das Staunen zu verlernen und sich in einer «Krippenromantik» einzurichten und dieses Ereignis zum Fest der Familie und der Liebe zu degradieren.

«Aber die Familie und die Liebe finden im göttlichen Kind in der Krippe ihren Ursprung und Vollendung.» Bereits um 22 Uhr waren die besten Plätze in der Stiftskirche alle besetzt. Ein Sturmwind bauschte den Christbaum auf dem Platz auf. Die Lichterkerzen wiegten sich in einem grotesken Tanz. In der Krippe erhellten Kerzen nun alle Figuren. Abt Urban Federer stand sowohl dem Mitternachtsgottesdienst als auch dem Hochamt am Weihnachtstag vor. Der Stiftschor und das Stiftsorchester unter der Leitung von Lukas Meister umrahmten beide Gottesdienste mit weihnächtlicher Musik.

Die eigentliche Weihnachtsfeier für die Mönche im Kloster fand am Stefanstag statt. Jetzt waren auch die auf Aushilfe in Frauenklöstern und Pfarreien gewesenen Patres wieder da. Festlich dekorierte Tische samt brennendem Kerzlein an jedem Platz empfingen die Klostermitglieder und Gäste. Zwischen den Gängen des Festessens sangen Abt Urban Federer und Pater Lukas Helg, begleitet von Pater Theo Flury, weihnächtliche Weisen. Eine Dankesansprache des Klostervorstehers und das Singen von «Stille Nacht» beendeten dieses besondere Mahl im Jahresablauf.

Das erwähnte Video ist unter «Weihnachten 2019 im Kloster Einsiedeln » auf YouTube einsehbar. Weitere Infos zu Predigttexten, Bildern etc.

unter: www.kloster-einsiedeln.ch

Zahlreiche Gläubige fanden den Weg in die Klosterkirche, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Foto: Franz Kälin

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