Berta Kälin-Schönbächler, Einsiedeln/Eschenbach

Mo, 07. Okt. 2013

 

Das Leben unserer Mutter kann örtlich in zwei Abschnitte aufgeteilt werden: Die ersten 38 Jahre hat sie im Bezirk Einsiedeln gelebt. Deshalb hat unsere Mutter bis zuletzt den Einsiedler Dialekt nicht verloren. Die letzten 49 Jahre hat sie in Ermenswil bzw. Eschenbach verbracht, wo sie sich im Laufe der Jahre sehr heimisch gefühlt hat.

Als sechstes Kind von Martin und Berta Schönbächler-Schönbächler hat Berta in den Erlen in Willerzell am 14. Februar 1926 das Licht der Welt erblickt. Ein Jahr später, kurz nach der Geburt der jüngsten Schwester, Adelina, ist die Mutter gestorben. Sie hinterliess Vater Martin sechs Kinder; ein Kind ist bereits im Alter von zwei Monaten gestorben. Daraufhin kam Berteli zu den Grosseltern mütterlicherseits in den Schachen. Als die Familie 1932 den Schachen verlassen mussten, weil an dieser Stelle der Sihlsee geplant war, kam Berteli für etwa ein halbes Jahr nach Hause zu ihrem Vater und den Geschwistern. Im Alter von sechs Jahren wurde Berteli ins Restaurant Sennhof in Gross zu Tante Serafina gebracht, wo sie die erste bis fünfte Klasse besuchte. 1937, am 1. August, als der See gestaut war, kam der Vater und holte Berteli nach Hause nach Willerzell. Dort besuchte sie die 6. und 7. Klasse. Sie hatte zu Hause ein gutes Leben. Vor allem die vier Jahre ältere Schwester, Lydia, sorgte gut für die ganze Familie. 

1941, als Berti 15 Jahre alt war, fragte Stachi Klemens vom Doppelstein den Erle Märtl am Stöck-Märcht im Ybrig, ob Berti wohl eine Frau für seinen jungen Klemens wäre. Berti war überglücklich, denn der junge Stachi hat ihr schon lange gefallen. Am 3. Oktober 1944 (mitten im Krieg) heirateten Berta und Klemens. Danach wohnten sie bei Stachis im Doppelstein, wo auch ihre erste Tochter, Berta, zur Welt kam. Gleichzeitig musste Jungvater Klemens Aktivdienst leisten. 

Nach etwa eineinhalb Jahren zog die junge Familie nach Einsiedeln in die Langrüti zu Nasli Bänis. Dort konnten sie fünf Jahre bleiben, wobei sie innerhalb dieses Hauses zweimal umgezogen sind. In jeder Wohnung kam je ein Kind zur Welt (1947: Klemens, 1948: Helen, 1951: Martin). Während dieser Zeit arbeitete Vater Klemens in der Sägerei Zehnder (Rasierlis) und Berti fing an, Nacht- und Hirthemden zu nähen, vielmals bis spät in die Nacht hinein.

1952 zog die Familie zu Grätzers in den Fuchsberg nach Willerzell, wo dann auch das fünfte Kind, Margrit, zur Welt kam. Dort konnten sie dann wieder fünf Jahre bleiben. Sie bekamen auch die Möglichkeit, mit einer ausgelehnten Kuh als Kleinbauern tätig zu sein. Mit der Zeit kamen dann noch zwei bis drei Rindli dazu. Da dies natürlich nicht reichte für den Lebensunterhalt, arbeitete Vater Klemens in der Schreinerei von Dietli Märtl, und im Winter verdiente er noch etwas Geld mit Holzen und Fuhrwerken. 

Einmal mehr stand ein Umzug bevor: 1956 kam die siebenköpfige Familie auf den Schnabelsberg (Bennau). Dort konnten sie das Bauern richtig ausüben, mit sechs Kühen. Die Kühe konnten sie sich jedoch nur leisten, weil sie einen Kreditvertrag mit dem Grossvater abschliessen konnten. 1960 kam das sechste Kind, Toni, auf die Welt. 

Als 1964 der Betrieb im Schnabelsberg verkauft wurde, mussten sie nach acht Jahren wieder umziehen. Dann verliessen sie den Bezirk Einsiedeln, weil sie eine neue Pacht in der Bösch in Ermenswil bei der Familie Wolfisberg gefunden haben. Im April war der Umzug und im Juni 1964 kam das letzte Kind, Rita, auf die Welt. Drei Wochen nach der Geburt verhalf Frau Wolfisberg Berta zu einer Stelle als Putzfrau bei der Baumann Federn AG an. Diese Arbeit verrichtete sie 24 Jahre lang bis zur Pensionierung. Frau Wolfisberg nahm Berta auch mit ins Trachtenchörli Ermenswil, so dass sie erstmals einem Verein beitrat. Dort sang sie 35 Jahre mit und amtete viele Jahre als Vizepräsidentin. 

Unsere Eltern hatten es gut miteinander; sie arbeiteten Hand in Hand zusammen. Fünf der sieben Kinder heirateten nach und nach und machten Berta zur zwölffachen Grossmutter und zwölffachen Urgrossmutter. 

Als Vater ins Pensionsalter gekommen ist, haben sie die Pacht in der Bösch aufgegeben und die ganze Fahrhabe verkauft. Glücklicherweise konnten sie aber weiterhin dort wohnen bleiben. In dieser Zeit machten sie vor allem mit Meiri, Vaters Bruder, und Adelini (Tanti), Mutters Schwester, Tagesausflüge und besuchten vermehrt Einsiedeln. 1989 flogen sie sogar für vierzehn Tage nach Kanada, wo sie zusammen mit Helen, Toni und Rita die ausgewanderten Bauern besuchten. Anschliessend flogen sie weiter für eine Woche nach Amerika, wo Toni wohnte und für die Baumann Federn AG in Charlotte arbeitete.

Auch Mutter musste schwere Schicksalsschläge ertragen. Im Jahr 1992 musste sie von der ältesten Tochter, Berti, viel zu früh Abschied nehmen. Sie hat im Restaurant Sennhof im Gross gewirtet, dort wo Mutter ja einen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Ein Jahr später hat Vater Klemens den ersten Schlaganfall erlitten. In den folgenden drei Jahren wurde er immer pflegebedürftiger. Bis zu seinem Tod im Dezember 1996 hat Mutter den grossen Pflegeaufwand immer ganz selbstverständlich auf sich genommen. 

Im Jahr 2000, nach 36 Jahren, hat Mutti die Bösch verlassen, da sie eine schöne Parterrewohnung in Eschenbach fand, in welcher sie dann elf Jahre lang wohnen konnte. Von dort aus konnte sie viele Aktivitäten mit ihren Bekannten unternehmen, was ihr sehr gefiel. Als die Sehkraft immer schlechter wurde und allgemein ihre Gesundheit nachgelassen hat, ist sie im November 2011 in die Pension Mürtschen eingetreten ist. Auch diese Zeit hat sie eigentlich genossen, da sie sich nach ihrem arbeitsreichen Leben gerne etwas verwöhnen liess. 

Trotz ihrem nicht immer einfachen Lebensverlauf hörten wir unsere Mutter nie klagen. Im Gegenteil: Sie brachte immer wieder zum Ausdruck, wie gut es ihr doch gehe. Ihr grosser Humor und ihre Bescheidenheit haben sie das ganze Leben begleitet und über vieles hinwegsehen lassen. Muetter, Mami, Grosi, Greusi oder Mutti – du wirst uns immer ein Vorbild sein und uns sehr fehlen. Herr, gib ihr die ewige Ruhe.


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