Antoinette Marty-Kälin Boden, Unteriberg

Mo, 19. Aug. 2013

 

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich führet zu dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

Unser Mami wurde am 27. September 1942 Rosa und Benedikt Kälin in der Ahornweid (Euthal) geboren. Als sechstes von neun Geschwistern kam Antoinette mitten im Zweiten Weltkrieg auf die Welt, wo auch ihr Vater «Bäni» als Füsilier einige hundert Aktivdiensttage für die Armee zu leisten hatte.

Seit 1933 bewirtschaftete die Familie das stotzige Bergheimet in der Ahornweid, das sie vom Kloster Einsiedeln pachten konnten. Die acht Schwestern und ein Bruder mussten früh mithelfen, um ein Einkommen aus dem kargen Bergbauernbetrieb zu erzielen.

Nach der Schule konnte Mami bei einer Familie in Luzern im Haushalt arbeiten. Von 1962 bis 1963 war sie bei ihrer Schwester im Restaurant «Sonne» in Euthal tätig, wo sie als Küchenhilfe und im Service mitarbeitete. Dort traf sie den «Bodä Fintan» und fand in ihm die grosse Liebe für ein gemeinsames Leben. Am 21. September 1964 gaben sich die beiden bei Bruder Klaus in Flüeli das Ja-Wort.

Auf dem Bauernhof im Boden Unteriberg haben sie gemeinsam ein schönes und glückliches Zuhause für uns sieben Geschwister aufgebaut. Nach einer harten Arbeitswoche war der Sonntag ganz der Familie gewidmet. Unsere Eltern zeigten uns im VW-Käfer die Schönheiten der Schweizer Naturlandschaft. Sie pflegten Freundschaften in alle Himmelsrichtungen und engagierten sich für Vereine und Verbände. Fasnacht, Stöckmärcht und Vieh-
ausstellung waren wichtige Termine im Jahr, wo sie ihre Liebe beim Tanzen ausleben konnten.

Schon unsere Grosseltern waren leidenschaftliche Älpler auf der Chäserenalp und führten bis 1984 das Sigrist-Amt in der Kapelle. Altershalber mussten sie die Arbeit auf der Alp aufgeben und übergaben die Kapelle in die Obhut unserer Eltern. Diese Aufgabe führte unser Mami mit grosser Freude aus. Nach dem Sonntagsgottesdienst waren die Patres vom Kloster Einsiedeln gern gesehene Gäste in der familiären Atmosphäre unserer Alp.

Ein schwerer Schicksalsschlag ereignete sich am 20. Juli 1990, als Dädy auf dem Weg zur Chäseren einen tödlichen Unfall erlitt. Für uns alle brach eine Welt zusammen und Mami hat durch ihren starken Glauben die Familie durch die schwere Zeit geführt. Einen Monat später durfte sie ihr erstes Enkelkind begrüssen und weitere 21 folgten im Laufe der Jahre.

Im Sommer 1991 ging Mami zum ersten Mal selber als Älplerin auf die Chäseren und in den 23 folgenden Sommern konnten stets Enkelkinder bei ihr schlafen und ihre Fürsorge geniessen. Auch zu Hause im Boden bewirtete sie uns Kinder und Enkelkinder gern. Ein besonderer Moment im Jahr war zu Weihnachten, wenn am 25. die ganze Familie zusammenfand. In den letzten Jahren waren wir 36 Personen in der Wohnung von Mami.

Mehr und mehr nahm sich Mami Zeit, um zu reisen. Mit ihren Schwestern, Freunden oder Bekannten bereiste sie Pilgerorte, Städte und Strände in Europa und einmal in den USA.

Ein Hirnschlag am 15. Juni 2007 veränderte Mamis Leben. Sie musste wieder lernen zu essen, gehen, sprechen und schreiben. Mit einem starken Willen fand sie in den Alltag zurück, wo sie bis vor Kurzem das gastfreundliche und gutherzige «Bodä-Grösi» sein durfte.

Am Donnerstag, 18. Juli 2013, erlitt sie bei der Arbeit auf der Chäserenalp erneut einen starken Hirnschlag. Trotz sofortiger Massnahmen verstarb sie am selben Nachmittag im Universitätsspital Zürich. Nach der letzten heiligen Ölung ist sie für immer in Frieden eingeschlafen. – Mami, miär danked diär für alles. In Liäbi, dini Chind.

 

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