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Spitex beklagt die vielen Leerläufe

Spitex beklagt die vielen Leerläufe Spitex beklagt die vielen Leerläufe
Spitex beklagt die vielen Leerläufe Delegiertenversammlung des Spitex Kantonalverbandes Schwyz An der Delegiertenversammlung des Spitex Kantonalverbandes Schwyz fanden Präsident Stefan Knobel und der langjährige Geschäftsführer Markus Walker deutliche Worte über den steigenden administrativen Aufwand.

Delegiertenversammlung des Spitex Kantonalverbandes Schwyz

An der Delegiertenversammlung des Spitex Kantonalverbandes Schwyz fanden Präsident Stefan Knobel und der langjährige Geschäftsführer Markus Walker deutliche Worte über den steigenden administrativen Aufwand.

Mitg. Der Spitex Kantonalverband Schwyz (SKSZ) ist der Dachverband der zehn Basisorganisationen, welche die Arbeit vor Ort verrichten. Ihre Delegierten fanden am Montagabend im Schlossturm Pfäffikon zur diesjährigen Delegiertenversammlung zusammen.

Personell stand der Wechsel in der Geschäftsleitung im Mittelpunkt. Mit Markus Walker ging einer der profiliertesten Spitex-Kenner in Pension. Er war für den SKSZ seit 1997 – die ersten zehn Jahre als Berater, danach als Geschäftsführer – im Einsatz. Er wurde gebührend verabschiedet und übergab das Zepter seiner Nachfolgerin Bernadette Keller, die seit 1. Mai 2019 als Geschäftsführerin angestellt ist. Die Pflege ist überreglementiert

Walker zeigte in einem Fünfjahresrückblick auf, wie die Pflegestunden bei der gemeinnützigen Spitex in den letzten Jahren stetig zunahmen, während die Bereiche Hauswirtschaft und Betreuung auf dem gleichen Niveau verharren. Er wusste auch warum: Der Bereich Pflege wurde seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) 1996 immer mehr reglementiert. «Die ambulante Krankenpflege ist sehr viel komplizierter geworden. Der administrative Aufwand zieht Stunden ab von unserem Kerngeschäft, der Pflege der Menschen zu Hause.» Ganz anders sei es bei der Hauswirtschaft und Betreuung. Hier sei fast nichts geregelt, «weshalb unkontrolliert private Anbieter auf den Markt drängen und sich so das lukrativere Stück aus dem Kuchen herausschneiden. Die kaum rentable Pflege hingegen überlässt man vermehrt der öffentlichen Spitex.» Tendenziell lasse sich sogar erkennen, so Markus Walker weiter, «dass man Seniorinnen und Senioren umwerbe, solange bei ihnen Geld zu holen ist. Danach überlässt man sie der gemeinnützigen Spitex.» «Misstrauensgesteuert»

Präsident Stefan Knobel spann den Faden weiter und zeichnete den Handlungsbedarf für die spitalexterne Krankenpflege der Zukunft vor. Gegen 15 Prozent des Aufwandes betrieben die Spitex-Basisorganisationen mittlerweile «für die Pflege der Krankenkassen». Jede Minute Pflegeaufwand müsse genau rapportiert werden. «Wir müssen auf dem Papier nachweisen, dass wir gut arbeiten. Die Vorschriften sind misstrauensgesteuert, von Managern, die vom Bürotisch aus regieren.» Diese verschwendete Zeit für die Abrechnungen gingen dem eigentlichen Auftrag verloren, nämlich dem Erhalt der Selbstständigkeit und der Lebensqualität der Senioren.

Ein Modell für die Zukunft

Das müsse sich ändern, unterstrich SKSZ-Präsident Knobel. Denn «wir müssen in Zukunft mit den gleichen Ressourcen mehr leisten, weil die Anzahl Pflegepersonal begrenzt ist». Er stellte auch gleich ein erfolgreiches holländisches Modell – die Organisation «Buurtzorg» – vor, wo mit den Leistungserbringern – den Krankenkassen – vereinbart wurde, die Bürokratie abzubauen und mit Fallpauschalen abzurechnen. Zudem stelle die Organisation in der Mehrheit diplomiertes Personal ein, mit dem man unter dem Strich günstiger zum Ziel komme, weil es eben ausgebildet sei.

«Wir müssen in Zukunft einen Weg finden, wie wir die Planungskosten und Abrechnungssysteme ausdünnen, denn heute unterwerfen wir uns einem stupiden Verrechnungssystem », schloss Stefan Knobel sein engagiert vorgetragenes Referat. «Wie wäre es, wenn die Pflegenden bei den Menschen zu Hause das tun, was diese Menschen aktuell brauchen und nicht, was die Krankenkasse bezahlt?», stellte er in den Raum.

Präsident bestätigt

Bei den Wahlen wurde die Hälfte des Vorstandes erneuert respektive wiedergewählt. Präsident Stefan Knobel wurde ebenso einstimmig für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt wie Vizepräsidentin Daniela Forni und Vorstandsmitglied Ursula Stäuble. Für den zurücktretenden Reto Weber wurde Eveline Reich ins Führungsgremium der SKSZ gewählt. Revisor Christoph Räber kann für vier weitere Jahre seiner Kontrolltätigkeit walten. (pd)

Von links: Der abtretende Geschäftsführer Markus Walker, seine Nachfolgerin Bernadette Keller und SKSZ-Präsident Stefan Knobel. Foto: Spitex

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