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«Nein wäre schlechtes Zeichen»

«Nein wäre schlechtes Zeichen» «Nein wäre schlechtes Zeichen»
«Nein wäre schlechtes Zeichen» Der Vorstand setzt sich vorbehaltlos für einen Beitritt der Schwyzer Kantonalkirche in die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) ein Am 30. Juni stimmen die Schwyzer Katholiken über den Beitritt ihrer Kirche in die RKZ ab. Werner Inderbitzin, Präsident des Kantonalen Kirchenvorstands, nimmt Stellung zur Frage, wieso ein Beitritt ein Gebot der Stunde ist und welche Folgen ein Nein bei der Abstimmung hätte.

Der Vorstand setzt sich vorbehaltlos für einen Beitritt der Schwyzer Kantonalkirche in die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) ein

Am 30. Juni stimmen die Schwyzer Katholiken über den Beitritt ihrer Kirche in die RKZ ab. Werner Inderbitzin, Präsident des Kantonalen Kirchenvorstands, nimmt Stellung zur Frage, wieso ein Beitritt ein Gebot der Stunde ist und welche Folgen ein Nein bei der Abstimmung hätte.

Was ist der Grund, dass Schwyz der einzige Kanton ist, der nicht in der RKZ mit dabei ist? Der Kantonskirchenrat hat bereits früher einmal den Beitritt beschlossen. Dagegen wurde Beschwerde geführt, und das Verwaltungsgericht hat diese geschützt, weil die Rechtsgrundlage fehlte. Mit der Annahme der neuen Kirchenverfassung vom 14. Juni 2015 wurde diese geschaffen, sodass der Kantonskirchenrat vor einem Jahr den Beitritt beschliessen konnte. Fünf Kirchgemeinden haben das Referendum gegen den Beitritt ergriffen. Sind Sie da auf dem falschen Fuss erwischt worden? Nein, wir mussten mit dem Referendum rechnen. Zum Teil sind es die gleichen Kirchgemeinden, die schon bei der Verfassungsabstimmung dagegen oder knapp dafür gestimmt haben. Das Parlament hat klar Ja gesagt zum Beitritt. Ist das Referendum aus Ihrer Sicht eine Zwängerei? Es ist ein verfassungsmässiges demokratisches Recht. Etwas speziell ist, dass gemäss unserer Kirchenverfassung auch Kirchgemeinden ein Referendum ergreifen können. In der Regel muss man dafür Unterschriften sammeln. Wieso hat der Kirchenvorstand nicht von sich aus freiwillig eine Volksabstimmung anberaumt aufgrund einer solch gewichtigen Thematik? In der Tat hat ein Kantonskirchenrat aus Rothenthurm einen Antrag gestellt, den Beschluss einem freiwilligen Referendum zu unterstellen. Dieser Antrag wurde vom Parlament sehr deutlich abgelehnt. Dass der Kirchenvorstand kleinlich ist im Umgang mit den Kirchgemeinden, kann man nicht behaupten. So haben wir das Referendum akzeptiert, obwohl bezüglich zweier Kirchgemeinden die Juristen uneins waren, ob die Kirchenräte ohne Beschluss der Kirchgemeinden legitimiert seien. Der Kirchenvorstand wollte eine gerichtliche Auseinandersetzung vermeiden.

Waren Sie zu vorschnell mit der Absage der Abstimmung? Nachdem der Kirchenrat von Lachen den Rückzug des Begehrens beschlossen hatte, waren es nur noch vier Kirchgemeinden und somit die Vorgaben grundsätzlich nicht mehr gegeben. Die Referendumsbefürworter haben den Entscheid des Kirchenvorstandes sogar akzeptiert. Es gibt Stimmen, die sagen, die Kirchgemeinde Lachen sei vom Vorstand unter Druck gesetzt worden. Haben Sie in Lachen interveniert? Als ruchbar wurde, der Kirchenrat in Lachen wolle das Referendum ergreifen, habe ich dem Kirchgemeindepräsidenten lediglich ein informatives Gespräch angeboten. Nach einer Bedenkzeit hat er mir mitgeteilt, er sei genügend orientiert. Wenn das Druck sein soll? Die Kirchgemeinde Freienbach hat die Absage der Abstimmung angefochten. Wurden Sie überrascht, dass ausgerechnet eine Kirchgemeinde, die für den RKZ-Beitritt ist, eine Abstimmung fordert? Ja, das war schon eher eine Überraschung, nachdem der Kirchenrat Freienbach vorher erklärt hatte, er verzichte auf ein Referendum und in der Vergangenheit immer einen freiwilligen Beitrag zugunsten der RKZ geleistet hat. Die Gegner eines Beitritts werfen der RKZ vor, sie sei ein «undemokratischer Verein». Das ist eine unhaltbare Behauptung, ohne die Organisation und ihre Strukturen näher zu kennen. Die 50 Delegierten der 25 Kantonalkirchen sind an ihrem Ort demokratisch gewählt und nehmen ihre Aufgaben gemäss Statuten wahr. Gemäss der Argumentation der Gegner wären also alle schweizerischen Organisationen, die von den Kantonalverbänden getragen werden, undemokratische Vereine! Dass es in der Regel Leute aus der Exekutive sind, die zu den Sitzungen der RKZ nach Zürich fahren, macht Sinn: Weil Exekutivmitglieder über die notwendigen Informationen und damit über den Background verfügen, der sie zu diesem Amt befugt. Die Gegner werfen der RKZ vor, sie sei intransparent. Ich bin jetzt seit einigen Jahren ständiger Gast der RKZ und war schon in anderen schweizerischen Organisationen tätig. So umfassend und detailliert wie Budget, Rechnung und Anträge bei der RKZ dokumentiert sind, habe ich noch bei keiner anderen gesamtschweizerisch tätigen Organisation erfahren. Die Homepage der RKZ ist umfassend und der Jahres- und Finanzbericht öffentlich einsehbar. Jährlich habe ich im Jahresbericht der Kantonalkirche über die RKZ rapportiert. Sind die Löhne in der Verwaltung in der Rechnung einsehbar? Die Gehälter sind in einer Position zusammengefasst. Die drei Angestellten der RKZ werden nach der Besoldungsverordnung der katholischen Kirche Zürich eingestuft. Fakt ist, dass die Delegierten in der RKZ hierzu ausreichend dokumentiert werden. Das heisst, dass sie die notwendigen Informationen erhalten. Hauptargument der Gegner ist das Geld: Die RKZ koste zu viel und werfe das Geld aus dem Fenster hinaus. Da wird den übrigen 25 Kantonalkirchen, die schon viele Jahre Mitglied der RKZ sind und ihre Beiträge leisten, unterstellt, sie würden nicht zu den Finanzen schauen. Eine Finanzkommission und auch das Plenum überwachen die Finanzen sehr kritisch. Tatsache ist, dass rund 90 Prozent der Ausgaben in Absprache mit der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) getätigt werden. Dabei können lange nicht alle Wünsche der SBK erfüllt werden. Wie kommt es zu den laufenden Kostensteigerungen in der RKZ? Die Kostensteigerung in den vergangenen Jahren war eine Folge des Rückzugs des Fastenopfers – infolge Rückgang der Erträge – aus der Finanzierung der Aufgaben der Kirche Schweiz. Inzwischen hat sich die Kostenlage stabilisiert. Ist das Medienzentrum in Zürich zu teuer und stösst es mit seinen kontroversen Beiträgen bei Kirchenmitgliedern auf Ablehnung? Das Medienzentrum ist kein Produkt der RKZ, sondern wurde vor wenigen Jahren auf Betreiben der Bischofskonferenz errichtet. Die Bischöfe haben erkannt, welch wichtige Rolle die Medien in der pluralen Gesellschaft einnehmen. Da müssen auch kritische Stimmen Platz haben. Es besteht eine Aufsichtskommission, der auch Weihbischof Alain de Raemy angehört. Man kann sich an diese Kommission wenden, wenn man mit der Arbeit der dortigen Medienschaffenden nicht einverstanden ist. Persönlich bin ich mit der Arbeit zufrieden und konsultiere fast täglich den Mediendienst. Die Gegner verkennen, dass die Mehrsprachigkeit der Schweiz zusätzlich Kosten verursacht. Verlieren die Kantonalkirche und die Kirchgemeinden ihre Autonomie, wenn sie der RKZ beitreten? Ich habe viele Kontakte mit Chargierten anderer Kantonalkirchen und noch nie gehört, dass sie mit der Zugehörigkeit zur RKZ in der Autonomie eingeschränkt würden. Die RKZ kann nur Empfehlungen beschliessen und darf nicht in die Autonomie der Kirchgemeinden eingreifen. Die Befugnisse der Kirchgemeinden und Kantonalkirchen bleiben unverändert. Ansonsten müsste die Gesetzgebung geändert werden. Unter den Gegnern sind Leute, die sich gegen das duale Kirchensystem aussprechen. Sind Sie im Dialog mit diesen Kreisen? In dieser Frage ist es schwierig, einen Dialog zu führen, weil es nur ein Dafür oder ein Dagegen gibt. Erstaunlicherweise waren die Frage der Finanzhoheit der Kirchgemeinden und Kantonalkirchen und das duale System bis jetzt nur für den Bischof von Chur ein Problem. Die Bischöfe der übrigen Diözesen der Schweiz arbeiten mit den Kantonalkirchen partnerschaftlich zusammen. Was halten Sie davon, dass sich Gegner des dualen Systems aufstellen lassen, um dann ins Parlament gewählt zu werden? Das müssten Sie diese Leute direkt fragen. Im Kirchenparlament sind sie eine kleine Minderheit. Ich glaube, inzwischen mussten auch diese Leute erkennen, dass das Rad nicht mehr zurückgedreht werden kann. Gegenfrage: Wer sonst als die vom Staat anerkannte Kantonalkirche könnte den Finanzausgleich und alle übergeordneten Aufgaben der Kirche lösen? Kann man RKZ-Gegner mit EU-Gegnern vergleichen, die sich ins EU-Parlament wählen lassen, um die EU von innen zu zerstören? Sie haben vorher die Frage betreffend der Autonomie gestellt. Die Gegner des dualen Systems möchten, dass die Kirchgemeinden die Steuerhoheit an den Bischof abtreten. Es wurde uns schon gesagt, dass unser System nicht katholisch sei, denn der Bischof sollte auch über die irdischen Güter – sprich Steuergelder – verfügen können. Würden die Schwyzer Katholiken ein solches Recht abtreten? Wie ist die Situation, wenn ein solcher Gegner des RKZ-Beitritts Bischof von Chur werden sollte? Das hatten wir jetzt in den vergangenen zwölf Jahren. Alle Stellen, bis hinauf zum Papst, die mit der Bischofsernennung involviert sind, kennen die Situation in Chur. Ich habe eine gewisse Zuversicht, dass ein Mann des Ausgleichs den Bischofsstuhl von Chur besteigen wird. Mit der Ernennung eines Apostolischen Administrators sind alle Anzeichen da, dass der Papst persönlich ins Verfahren eingegriffen hat. Wie ist Ihre Einschätzung bezüglich der Abstimmung vom 30. Juni? Man muss immer optimistisch sein. Das gute Ergebnis bei der Abstimmung zur neuen Verfassung gibt eine gewisse Zuversicht. Trotzdem muss man arbeiten und das Kirchenvolk gut darüber informieren, was die RKZ ist und welche Aufgaben sie hat. Welche Folgen hätte ein Nein für die Schwyzer Kantonalkirche? Ein Nein wäre ein denkbar schlechtes Zeichen und würde ein falsches Signal ausstrahlen. Schwyz bliebe der einzige Kanton ausserhalb der RKZ. Man könnte uns ein illoyales Verhalten vorwerfen. Die Ablehnung des RKZ-Beitritts wäre nicht gerade die Katastrophe, aber schlecht für das Image der Kantonalkirche Schwyz, die sich in den vergangenen zwanzig Jahren Leistungen von den übrigen Mitgläubigen der Schweiz zahlen liess.

Interview: Magnus Leibundgut

Werner Inderbitzin, Präsident des Kantonalen Kirchenvorstands, ist guten Mutes, dass die Vernunft schliesslich obsiegt und das Kirchenvolk Ja sagt zum RKZ-Beitritt.

Foto: Archiv EA

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