Veröffentlicht am

In der Aufzucht liegt die Hoffnung

In der Aufzucht liegt die Hoffnung In der Aufzucht liegt die Hoffnung
In der Aufzucht liegt die Hoffnung Knapp 30 Prozent der Bienen fielen im Kanton Schwyz dem Winter zum Opfer Die Winterverluste liegen bei den Bienenvölkern im Kanton Schwyz mit 28,9 Prozent im Mittel. Wegen des Stresses im vergangenen heissen Sommer hatte man in der ganzen Schweiz mit grösseren Ausfällen rechnen müssen.

Knapp 30 Prozent der Bienen fielen im Kanton Schwyz dem Winter zum Opfer

Die Winterverluste liegen bei den Bienenvölkern im Kanton Schwyz mit 28,9 Prozent im Mittel. Wegen des Stresses im vergangenen heissen Sommer hatte man in der ganzen Schweiz mit grösseren Ausfällen rechnen müssen.

dko. Der warme Sommer 2018 hatte grossen Einfluss auf den Imkerkalender. Laut dem in Wilen wohnhaften Bruno Reihl, leitender Bieneninspektor der Urkantone, machten sich zwei Effekte bemerkbar. Zum einen hatten die heissen Temperaturen zur Folge, dass die Behandlung gegen die Varroa-Milbe später als gewünscht erfolgen konnte, weil diese bei über 30 Grad Celsius nicht durchführbar ist. Normalerweise erfolgt diese Ende Juli, im letzten Jahr mussten viele Imker bis im September zuwarten. Problematisch ist laut Reihl, wenn in einem Gebiet die Behandlungen zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden. Bereits behandelte Völker können durch die sogenannte Rückinvasion von noch nicht behandelten Bienen doch noch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Als zweiten Effekt nennt Reihl die spät einsetzende Waldtracht, also die Produktion von Waldhonig. Diese sei Mitte August und im September sehr stark ausgefallen. Problematisch ist es laut Reihl, wenn die Bienen anfangen, ihre Waldtracht in den Brutwaben abzutragen. Dies hat zur Folge, dass zu wenig Eier für die Winterbienen gelegt werden können. Die Winterbienen sind dafür verantwortlich, während des Winters die Brut aufzuziehen und warm zu halten. Sie leben mit rund 30 Wochen viel länger als die Sommerbienen, die ihr Lebensende nach etwa fünf bis sechs Wochen erreichen. Sind zu wenig Winterbienen da – auch weil frühe Winterbienen bei später Waldtracht noch zum Honigsammeln eingesetzt werden – kann sich die Brut laut Reihl ungenügend entwickeln.

Unter 10 Prozent angestrebt

Im letzten Winter musste man im Kanton Schwyz Verluste von 28,9 Prozent hinnehmen. Das liegt laut Reihl im Mittel. Das Ziel wäre allerdings ein Wert unter zehn Prozent, dieser würde laut Reihl der natürlichen Sterbensrate von Bienenvölkern entsprechen. «Da haben wir also noch Potenzial.» 11,6 Prozent der Winterverluste sind im Kanton Schwyz auf tote Völker zurückzuführen, 17,3 Prozent auf andere Verluste wie etwa den Serbelverlust. Dies ist eben jener Verlust, der durch einen Mangel an Winterbienen verursacht wird.

«Das Volk und die Königin überleben zwar, es sind aber im Frühling zu wenig individuelle Bienen vorhanden », so Reihl. Zudem sei die Anfälligkeit für Krankheiten bei solchen Völkern grösser. Man könne dann durch die Zusammenlegung mit einem intakten Volk versuchen, etwas zu retten, Verluste gebe es aber immer. Schweizweit beziffert man die Winterverluste im Schnitt auf 31,6 Prozent.

Lawinen rissen Stände mit Insgesamt zählte man im letzten Jahr im Kanton Schwyz über 300 Bienenstände, die jeweils mit zehn bis zwölf Völkern bestückt sind. Eine Dezimierung gab es hier auch wegen des massig gefallenen Schnees. «Mit den Lawinen sind im Ybrig auch einige Bienenstände ins Tal gedonnert, das ist natürlich eine Katastrophe», sagt Reihl zu diesen eher ungewöhnlichen Vorkommnissen. Als weitere Schäden zählt er Hochwasser auf. Auch das Wirken anderer Tiere hat Einfluss. Etwa der Specht, der Stände beschädigt. Durch die Löcher dringen dann Wasser und Schnee ein. Oder Mäuse, welche durch ungenügend verschlossene Schlitze eindringen können.

Was den Befall durch die Varroa- Milbe anbelangt, ist der Kanton Schwyz dank seiner Berggebiete im Vergleich zu den Kantonen im Mittelland im Vorteil. Milben können ab einer gewissen Höhe generell nicht überleben. «Man geht davon aus, dass der Aussendruck ein Problem ist für die Tiere und sie platzen, wenn er zu hoch ist. Wissenschaftlich gesichert ist das aber nicht.» Noch verbessert werden kann laut Reihl die Aufzucht von Jungvölkern. Nicht alle Imker würden diese Aufgabe wahrnehmen und sich zu fest auf die Kollegen verlassen, wo sie dann versuchten, Völker einzukaufen. Fakt sei, dass diese Aufgabe mit einigem Aufwand verbunden ist, ohne regelmässig zum Ziel zu führen. «Mir persönlich sind im März und April vier Brutablagen geglückt. Im Mai war es hingegen ganz schlecht und die Königinnen wurden nicht begattet.» Generell sei die Chance auf Begattung nicht sehr hoch, bei schlechtem Wetter aber noch viel tiefer, weil die Königinnen zu wenig ausfliegen könnten. Als Faustregel gelte, dass man pro bestehendem Wirtschaftsvolk ein halbes Jungvolk nachziehen müsse.

Foto: zvg Eine varroageschädigte Drohne mit den typischen Stummelflügeln.

LAST NEWS