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«Dorf präsentiert sich prächtig»

«Dorf präsentiert sich prächtig» «Dorf präsentiert sich prächtig»
«Dorf präsentiert sich prächtig» An der 83. Tour de Suisse steht heuer der Klosterplatz in Einsiedeln im Zentrum der Landesrundfahrt David Loosli, Sportdirektor der Tour de Suisse, wirft einen Blick voraus auf die Rundfahrt, die Halt in Einsiedeln macht. Es sei möglich, dass bereits im Klosterdorf eine Vorentscheidung über den Sieg an der Tour fallen könnte.

An der 83. Tour de Suisse steht heuer der Klosterplatz in Einsiedeln im Zentrum der Landesrundfahrt

David Loosli, Sportdirektor der Tour de Suisse, wirft einen Blick voraus auf die Rundfahrt, die Halt in Einsiedeln macht. Es sei möglich, dass bereits im Klosterdorf eine Vorentscheidung über den Sieg an der Tour fallen könnte.

Was bedeuten die fünfte und sechste Etappe mit Start- und Zielort Einsiedeln aus sportlicher Sicht für die Tour de Suisse? Die fünfte Etappe ist zwar nicht die Königsetappe der Tour, bietet aber mit dem Sattel und dem Schnabelsberg zwei Hügel, die die Spreu vom Weizen zu trennen vermögen. Sie gilt als «Flachetappe», umfasst aber doch immerhin 2700 Höhenmeter! Ich würde diese Etappe als schwierig bis hart einschätzen. Schauen wir mal, wer auf dem Sattel noch im Sattel ist (lacht). Ist es möglich, dass die Tour de Suisse 2019 im Klosterdorf entschieden wird?

Etwas steht fest: Die sechste Etappe, die in Einsiedeln startet, könnte zumindest die Vorentscheidung bringen. Der Ricken und das Toggenburg mögen noch einigermassen machbar sein, aber wenn es dann auf den Flumserberg hinaufgeht, erwarte ich doch einen kräftigen Schlagabtausch. Welche Erinnerungen haben Sie als Fahrer an die Tour de Suisse der Jahre 2005 und 2006, als Einsiedeln Start- beziehungsweise Zielort war? Es war eine äusserst schöne Erfahrung, in Einsiedeln einzufahren. Ich erinnere mich noch, dass es zu einem Massensprint gekommen ist. Allerdings ist mir entfallen, ob wir bereits damals eine Ehrenrunde rund um den Sihlsee eingelegt haben (lacht).

Einsiedeln ist ein Hot Spot in Sachen Unwetter im wahrsten Sinne des Wortes. Ist es denkbar, dass die fünfte Etappe aufgrund eines Gewitters am Sihlsee abgebrochen werden muss?

Das ist durchaus möglich, wenn zum Beispiel Hagel fällt, dass Gott erbarm. Mir ist das ein Mal passiert, im Tessin, als wegen eines Hagelgewitters der Start einer Etappe verschoben werden musste. Wie kamen Sie auf die Idee, eine Etappe auf dem Klosterplatz beenden zu lassen?

Der Klosterplatz hat Charme und bietet viel Ambiance, das lockt dann erst recht die Zuschauer an. Hier kann sich das Klosterdorf Einsiedeln prächtig präsentieren. Es macht ja auch aus touristischen Gründen Sinn, den Start- und Zielort an einen schönen Platz zu verlegen statt irgendwo in die gesichtslose Peripherie zu verlegen. War Ihnen bewusst, dass am 20. Juni in Einsiedeln Fronleichnam ist und an diesem Feiertag normalerweise eine Prozession auf dem Klosterplatz stattfindet? Das ist Zufall. In Bern oder Zürich hat niemand daran gedacht, dass an diesem Donnerstag in Einsiedeln Fronleichnam gefeiert wird. Nun verbinden wir den geistlichen mit dem sportlichen Rahmen, indem Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln, den Startschuss für die sechste Etappe mit der Pistole abgibt. Zufall ist es auch, dass alt Bundesrat Adolf Ogi ausgerechnet am 19. Juni am Steinsiedeln auf dem Klosterplatz teilnimmt. Eine günstige Fügung des Schicksals! Jetzt wird Adolf Ogi das Kindervelorennen am Mittwochnachmittag begleiten. Und abends werden Helikopter des Schweizer Fernsehens über den Platz fliegen und in der Reportage der fünften Etappe der Tour de Suisse den gross aufgetragenen Schriftzug www.klosterplatz. com in die Schweizer Stuben bringen. Für wie gross halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Stefan Küng am 19. Juni im gelben Leadertrikot im Ziel in Einsiedeln einfährt? Es ist durchaus realistisch, dass Stefan Küng seinen Start-Coup vom vergangenen Jahr wiederholen wird und wie an der Tour de Suisse 2018 das gelbe Leadertrikot erobert. Denn die erste Etappe ist ein Zeitfahren, und dieses liegt Stefan Küng sehr. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem lokalen OK hier in Einsiedeln? Die Zusammenarbeit mit dem lokalen OK in Einsiedeln läuft hervorragend. Die grösste Herausforderung liegt wie immer in der Sicherheit und in Verkehrsfragen. Hier gilt es denn vor allem auch mit der Kantonspolizei Schwyz gut zusammenzuarbeiten. So gibt es zum Beispiel in der Umgebung von Einsiedeln einige Baustellen, die zu umfahren sind. Hier im Klosterdorf ringt man nach Helfern. Was ist der Grund, dass die Organisatoren so viel Mühe haben, ausreichend Freiwillige zu finden? Das ist sehr regionsspezifisch. Es gibt Regionen, die haben kein Problem damit, genügend Helfer zu rekrutieren. Für andere Regionen bedeutet es in der Tat eine grössere Herausforderung, ausreichend Freiwillige zu finden. Wie würden Sie den Stellenwert der Tour de Suisse in der heutigen Zeit beschreiben? Er ist immer noch sehr hoch. Allerdings wollen wir uns neu positionieren: Die Trägerschaft der Tour de Suisse wechselt ab dem kommenden Jahr vom Sportmarketing-Unternehmen InfrontRingier zur Schweizer Radsport-Plattform Cycling Unlimited. Damit wollen wir die Landesrundfahrt wieder mehr in die Breite ausweiten und auch den Hobbyradsport integrieren. Damit einher gehen auch neue Events. Es geht in Zukunft nicht mehr nur darum, einfach eine Zieleinfahrt in einem Etappenort der Tour de Suisse zu organisieren.

Interview: Magnus Leibundgut

Zur Person

ml. David Loosli ist am 8. Mai 1980 geboren und in Bern aufgewachsen. Er hat eine Velomechaniker- Lehre und das KV absolviert, bis er im Jahr 2001 Radrennfahrer wurde. Nachdem er bei den U23-Strassen-Weltmeisterschaften 2002 die Bronzemedaille gewann, wurde er 2004 Mitglied des Radsportteams Saeco Macchine per Caffè. Er blieb bei dieser Mannschaft, die 2005 mit Lampre fusionierte, bis zu seinem Karriereende. Für diese Mannschaft gewann er eine Etappe der Friedensfahrt 2004 und bestritt acht Grand Tours.

Im Jahr 2011 beendete Loosli seine Rennfahrerkarriere und arbeitete in einer Managmentagentur, bis er 2015 als Radsportexperte und Kommentator für das Schweizer Fernsehen tätig wurde. Seit 2015 ist er Sportdirektor der Tour de Suisse. David Loosli ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Weinfelden.

Sportdirektor David Loosli freut sich auf die Ankunft der Landesrundfahrt im Etappenzielort Einsiedeln, wo er in den Jahren 2005 und 2006 als Radrennfahrer an der Tour de Suisse angekommen ist. Foto: Magnus Leibundgut

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