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«Aus Kunden wurden Freunde»

«Aus Kunden wurden Freunde» «Aus Kunden wurden Freunde»
«Aus Kunden wurden Freunde» Zur Geschäftsaufgabe des Traditionshauses Louis Gyr Nach 165 Jahren schliesst das Modehaus Louis Gyr seine Türen. Was mit dem Gebäude geschieht, ist derzeit noch offen. Ab heute Freitag läuft der Ausverkauf.

Zur Geschäftsaufgabe des Traditionshauses Louis Gyr

Nach 165 Jahren schliesst das Modehaus Louis Gyr seine Türen. Was mit dem Gebäude geschieht, ist derzeit noch offen. Ab heute Freitag läuft der Ausverkauf.

Vi. Es gibt nicht viele Einsiedler Familien- Unternehmen, welche auf eine 165-jährige Geschichte zurückblicken können. Das Modehaus Louis Gyr im Haus «Hecht» an der oberen Hauptstrasse gehört dazu. Aus dem ehemaligen Tuchladen ist über die fünf Inhaber-Generationen hinweg längst ein etabliertes Modehaus geworden – ein Fachgeschäft für Kompetenz und Qualität. Doch nun sind dessen letzte Tage gekommen.

Bis auf Weiteres offen …

«Nach 165 Jahren schliessen wir unser Modegeschäft für immer», liessen Jürg und Maria Gyr ihre Kunden dieser Tage wissen. Die Türen sind aber nicht ab sofort geschlossen: Mit dem heutigen Freitag beginnt der Total- Ausverkauf. Dieser dauert «bis auf Weiteres», erklärt Maria Gyr. Auch stehe das Modehaus unverändert offen für Kundenwünsche.

Leicht ist Jürg und Maria Gyr der Entscheid nicht gefallen. Seit 1988 lenkt das Ehepaar die Geschicke des Modehauses. Dass sie «mit Leib und Seele dabei sind», spürt jeder, der das geschmackvoll konzipierte Geschäft an der Hauptstrasse 74 betritt. Beide schwärmen denn auch von ihren Kunden, deren Treue häufig Jahrzehnte überdauert. «Aus Kunden sind oft Freunde geworden», sagt Jürg Gyr. «Dass wir nun schliessen, tut uns auch leid für sie.» Ebenfalls bedauern sie, dass ihre sechs teilweise langjährigen Mitarbeitenden eine neue Stelle suchen müssen.

Dass die Geschichte des Modehauses nach 165 Jahren endet, hat mit dem Alter der Inhaber (beide sind pensioniert), der fehlenden Nachfolge sowie der Bausubstanz des Hauses «Hecht» zu tun. «Gegen aussen», so Maria Gyr, «sieht es zwar gut aus. Ob es zu einer Renovation kommt oder gar zu einem Neubau, klären Jürg und Maria Gyr derzeit ab.

Lange hätten sie überlegt, das Geschäft zu vermieten. «Sich einen Namen zu machen, braucht jedoch Zeit», weiss Jürg Gyr. Und das wiederum sei mit einer Totalsanierung oder einem allfälligen Abbruch nicht vereinbar. Dennoch soll im Parterre wieder ein Verkaufsgeschäft entstehen. Welche Branche dereinst in den «Hecht» einziehen wird, wissen Jürg und Maria Gyr derzeit aber noch nicht.

Und so scheiden die Gyrs «mit einem lachenden und einem weinenden Auge». Das Geschäft nach so vielen Jahren aufzugeben, «beschäftigt einen schon», gesteht Jürg Gyr. Dass sie aber jetzt etwas «definitiv abschliessen und aufhören, wo es noch immer gut läuft», empfindet er wiederum als positiv. Mit der Gewissheit, «erfolgreich gearbeitet zu haben», verlagert sich der Fokus sukkzessive darauf, mehr Zeit für sich, für Familie und Freunde zu nehmen. Dies steht nun für Gyrs an erster Stelle. Doch zuerst gilt die ganze Aufmerksamkeit dem Ausverkauf – und somit der Kundschaft (siehe Inserat).

Prägende Erscheinung an der oberen Hauptstrasse: Die charakteristische Fassade des Modehauses.

Ab heute läuft der Ausverkauf. Fotos: Victor Kälin

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