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Der Mensch und die Inspiration

Der Mensch und die Inspiration Der Mensch und die Inspiration

Interessante Vorträge und Diskussionen am 6. Einsiedler Unternehmerapéro im «Zwei Raben»

Wie wird man erfolgreicher Unternehmer? Patentrezepte gibt es offensichtlich nicht. Und doch gibt es verschiedene Erfolgsstorys – wie der Unternehmerapéro des Bezirks Einsiedeln vergangenen Montagabend illustrierte.

WOLFGANG HOLZ

Alle erfolgreichen Unternehmer sind gleich. Alle Wege zum erfolgreichen Unternehmer sind aber verschieden – es gibt keine Patentrezepte. So könnte eine Umformulierung des berühmten Tolstoi-Zitats lauten, inspiriert vom sehr interessanten und gut besuchten Unternehmerapéro letzten Montagabend.

Den hatte der Bezirk Einsiedeln im Kultur- und Kongresszentrum Zwei Raben organisiert. Thema: «Von der Inspiration zur zündenden Geschäftsidee». Moderator und Telezüri-Journalist Benno Kälin begrüsste aus diesem Anlass fünf verschiedene Gäste und diskutierte mit ihnen über Start-ups, unternehmerische Risiken, Erfolg und motivierte Mitarbeiter.

Über wie viel Inspiration ein junger, erfolgreicher und leidenschaftlicher Unternehmer verfügen kann, der sich dann aber doch für andere Produkte entscheidet, demonstrierte auf faszinierende Weise gleich zu Beginn der Einsiedler Roman Braschler. Der Markt gibts vor: Roboterarme und Tunnelfahrzeuge Sobald er von seinen Ideen erzählt, fängt es im Saal an zu knistern. So schnell springt der zündende Funke seiner unternehmerischen Leidenschaft auf das Publikum über. Man spürt, dass er für seine Ideen lebt. Dass aber der 33-jährige Doppelunternehmer und passionierte Töfffahrer sich schliesslich statt des von ihm erträumten und auch schon sehr weit gediehenen «Elektrotöffs» am Ende für die Entwicklung und Herstellung von Leichtbauteilen aus Carbon und Elektroantriebssystemen entscheidet, ist seiner unternehmerischen Vernunft geschuldet. Sprich: dem Markt.

Inzwischen ist seine frühere Garagenfirma zu einem kleinen, aber veritablen internationalen Player geworden, der unter anderem Roboterarme, Tunnelüberwachungsfahrzeuge für die SBB und Drohnen anfertigt. Sein Ehrgeiz: Er will irgendwann in der Schweiz Mountainbikes herstellen.

Das leidige Geld Dabei gilt für ihn nach wie vor wie in Stein gemeisselt: «Geld sollte kein Hinderungsgrund sein, eine Vision umzusetzen.» Er redet von guten und schlechten Zeiten. Als Startkapital hatte er nach seiner Lehre nämlich 42’000 Franken auf dem Konto, mit denen er sich eigentlich ein neues Auto kaufen wollte. Dann steckte er das Geld in seine Firma, das unternehmerische Abenteuer nahm seinen Lauf … «Für den E-Töff sind mir das Geld und die Zeit ausgegangen», bekennt Braschler. Komplett aufgegeben hat er seine Zweirad-Vision aber nicht.

Sitz, Stativ, Selfie-Stick, Stock

Ohne «Moos» also auch als Unternehmer nichts los? Diese Erfahrung hat auch Marcel Graber, eigentlich hauptberuflich Softwareentwickler und gleichzeitig Inhaber der Clever Design GmbH, gemacht. Denn obwohl er eine so geniale Idee hatte, aus mehreren Metallstäben einen Wanderstock, ein Stativ, einen Outdoor-Sitz und einen Selfie- Stab zu kreieren, «kratzte» er sich das Geld über Crowdfunding zusammen. «Als das Produkt da war, ist es einfacher gewesen, an Fremdkapital zu kommen », lässt Graber wissen. Sein Produkt verkauft er übrigens besser online als in Fachmärkten. Bleibt die Frage, wie er auf diese zündende Geschäftsidee überhaupt gekommen ist: «Weil ich abends am Feuer nach einer schönen Wanderung nicht länger mit meiner Frau auf dem Boden im nassen Gras sitzen wollte.» «Nomady» im Blut Auch Oliver Huber (34), den Moderator Benno Kälin als Dritten im Bunde am Montagabend dem Publikum im «Zwei Raben» vorstellte, hat seine Geschäftsidee aus seinem Freizeitverhalten heraus geboren. Denn der passionierte Outdoor-Freak, der monatelang in Alaska verbrachte, haben seine eigenen schönen Fleckchen Erde, die er auf seinen Reisen genoss, auf die Idee gebracht, exklusive Campingplätze im Internet für andere anzubieten.

Dafür hat er Kontakte mit Landeigentümern aufgenommen und bietet nun auf der «Nomady »-Internetplattform das spezielle und exklusive Campingerlebnis an. «Inzwischen habe ich nach drei Jahren in meiner Firma neun Mitarbeiter, 19’000 Nutzer und 40’000 Logiernächte zu verzeichnen», ist Huber stolz.

Aber ob das nicht schwierig gewesen sei, mit Landeigentümern, wie etwa Bauern, zu verhandeln, damit diese ihr Grundstück für private Camper zur Verfügung stellen, wollte Moderator Kälin bauernschlau wissen. «Man muss den Landbesitzern halt ihre Vorteile erklären, persönlich mit ihnen reden und auf einen Kaffee vorbeikommen, ganz bodenständig agieren.» Der Erfolg gibt Huber recht. Ohne Fleiss und Hartnäckigkeit also keinen Preis.

«Geld sollte kein Hinderungsgrund sein, eine Vision umzusetzen.»

Roman Braschlr, Einsiedler Unternehmer

Die Diskussionsteilnehmer am Unternehmerapéro erhielten zum Abschluss ein kleines Geschenk. Foto: Wolfgang Holz

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