Veröffentlicht am

Gelungener Auftakt

Gelungener  Auftakt Gelungener  Auftakt

NACHKLANG

Erstes Einsiedler Orgelkonzert vom Dienstag, 20. Juli. An der Orgel: Stefano Bertoni, Legnago/ Einsiedeln. Werke von Felix Mendelssohn, Johann Sebastian Bach, Johann Kuhnau und Léon Boëllmann. Ein Orgelkonzert in C mit kurzen Ausflügen in terzverwandte Tonarten. Das könnte langweilig werden – war es aber nicht. Stefano Bertoni – er gehört zum Team der Klosterorganisten – eröffnete den diesjährigen verkürzten Orgelzyklus mit einem Präludium und Fuge in c-Moll von Felix Mendelssohn. Nicht nur durch die Tonarten, sondern auch durch biografische oder kompositionstechnische Eigenheiten der einzelnen Komponisten waren die ausgewählten Werke miteinander verknüpft.

Wegen des Livestreamings wurde kein detailliertes Konzertprogramm aufgelegt, sondern der Stiftsorganist Pater Theo Flury gab sehr ausführliche Einleitungen zu den einzelnen Werken. Mit dem Choralvorspiel zu «Schmücke dich o liebe Seele» von Johann Sebastian Bach fand ein tonartlicher Ausflug nach Es-Dur statt. Das «Schmücken» hat Bach mit vielen Verzierungen angedeutet – mich erinnerte es etwas an Lametta am Christbaum. Die Verknüpfung zum vorangegangenen Werk von Mendelssohn besteht nicht nur in der verwandten Tonart. Dieser hat die Werke des grossen Barockmeisters studiert und sie als erster auch wieder aufgeführt. Zum folgenden Komponisten Johann Kuhnau bestanden berufliche Gemeinsamkeiten. Er war Bachs Vorgänger als Thomaskantor in Leipzig.

Die biblische Sonata «Der Streit zwischen David und Goliath » – ein Beispiel früher Programmmusik – war mir bisher in einer Interpretation für Klavier bekannt. Da hatte ich das Gefühl, dass Goliath nicht durch den Steinwurf Davids starb, sondern an einer Überdosis C-Dur. Ganz anders nun in der Interpretation von Stefano Bertoni auf der Chororgel. Mit der gekonnt gewählten Registrierung bekamen die einzelnen Teile ihre eigene Aussage und da Pater Theo die jeweiligen Überschriften sprach, wurde das Werk fast zum Melodram und dadurch nicht nur erträglich, sondern zum Vergnügen.

Der grosse Schluss folgte dann mit Léon Boëllmanns «Suite Gothique» auf der Mauritiusorgel. Der Organist nützte die breiten dynamischen und klanglichen Möglichkeiten des Instruments und begeisterte die Zuhörer mit der am Schluss stehenden virtuos gespielten bekannten Toccata. Über c-Moll ging es zum grossen C-Dur-Schluss.

Marcel Schuler

Marcel Schuler schreibt in der Kolumne «Nachklang» seine Eindrücke nieder. Er tut das aus persönlicher Sicht und erhebt dabei keinen Anspruch, auch für andere Konzertbesucher sprechen zu wollen.

Share
LATEST NEWS