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«Auch wenn Jahre vergangen sind: Ich hatte keine andere Wahl als zu schreiben»

«Auch wenn Jahre vergangen sind:  Ich hatte keine andere Wahl als zu schreiben» «Auch wenn Jahre vergangen sind:  Ich hatte keine andere Wahl als zu schreiben»

 

26 Jahre nach ihrem humanitären Einsatz im kriegsversehrten Ruanda blickt Heidi Bavaud zurück. In Buchform.

VICTOR KÄLIN

Ein Buch zu schreiben ist das eine; den passenden Titel zu finden das andere. Auf ihrer Suche kam Heidi Bavaud als erstes eine sachlich-nüchterne Variante in den Sinn: «Rwanda 1994/1995: Ein Erlebnisbericht ». Doch die Varianten wurden immer fantasievoller: Vom «Blinden Passagier» über die «Laus im Pelz» gings zur finalen Version «Die Laus im Katastrophenhilfepelz. Rwanda 1994/1995». Ein Titel als knappmöglichste Zusammenfassung der folgenden 120 Seiten.

«Nicht ohne meine Frau»

Tatsächlich war die Person Heidi Bavaud nicht eingeplant, als der Arzt Claude Bavaud im Auftrag des Schweizerischen Katastrophenhilfekorps für ein halbes Jahr nach Ruanda (siehe Box) delegiert werden sollte – obwohl die erfahrene Krankenschwester mit ihrem Ehemann bereits zwei Jahre in Lesotho im südlichen Afrika verbracht hatte (EA 21/93).

Und so fühlte sie sich wie «ein blinder Passagier», als sie im Dezember 1994 ihrem Mann doch noch nach Ostafrika nachfolgen konnte – ohne Arbeitsvertrag, aber immerhin mit offizieller Billigung. «Nicht ohne meine Frau», hatte Claude Bavaud die Delegationsleitung wissen lassen. Als der «Chef de Mission» das Ehepaar im Juli 1995 in Ruanda verabschiedete, gestand er Heidi Bavaud, sich fortan nicht mehr gegen eine Begleitung zu sperren … Nach einem weiteren Afrika- Einsatz 1997 in Nord-Kamerum blieb die Einsiedler Arztpraxis von Claude Bavaud ab 1998 Heidi Bauvauds Arbeitsplatz. Auch heute noch steht sie ihrem Mann zur Seite, wenngleich nicht mehr in Direktkontakt mit den Patienten, sondern im Hintergrund mit dem Bereitstellen der Infrastruktur. Und solange Claude Bavaud im Einsatz steht, dürfte sich auch für seine Frau beruflich nichts ändern … «Schönste Lyrik» Die Geschichten aus Ruanda hat Heidi Bavaud all die Jahre immer «mit sich getragen». Doch sie musste erst bereit werden, um daraus ein Buch entstehen zu lassen. Dass die Schweizerische Literaturgesellschaft ihre Texte 2017 angenommen und ihr Zeit für die fehlenden Teile gewährte, erfüllte sie mit Freude und Stolz. «Schönste Lyrik» beschied man ihr. Die Motivation war gross, auch wenn sie selbst wusste, «keine andere Wahl zu haben als zu schreiben».

Eine Botschaft will Heidi Bavaud mit ihrem Buch nicht zwingend verbinden. Vielmehr will sie damit «ihrer Faszination einen Rahmen geben» – der Faszination eines fremden Kontinentes, der vielen Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen …. Und letztlich möchte sie auch die an humanitären Einsätzen interessierten Leser und Leserinnen an ihrer Geschichte teilhaben lassen. Und zugleich die sehr dankenswerte Unterstützung würdigen, die Claude und Heidi Bavaud spezifisch aus ihrer Heimatgemeinde Einsiedeln erfahren hatten.

Bild auf dem Cover des Buches «Die Laus im Katastrophenhilfepelz».

Erst bereit werden, darüber zu schreiben: Heidi Bavaud und ihre Erlebnisse in Ruanda.

Fotos: zvg

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