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«Ich wurde zum Rücktritt aus dem Nationalrat aufgefordert»

Vi. Unmut und Zorn hat Nationalrat Alois Gmür auf sich gezogen, als er am Güdelmontag in einem Video gegenüber «20Minuten » ziemlich frei von der Leber über die Fasnacht sprach: «Das ist ein Virus, das die Menschen auch befällt. Da muss man hingehen, mit oder ohne Corona-Pandemie », sagte Gmür. «Es ist Virus gegen Virus, Fasnachtsvirus gegen Coronavirus. Ich hoffe, das Fasnachtsvirus siegt.» Verloren hat Gmür damit zumindest in seiner Partei. «Es ist seine persönliche Entscheidung und entspricht nicht der Haltung der Partei», sagte Mitte- Präsident Gerhard Pfister im «Tages-Anzeiger». Als Nationalrat sei Gmür eine öffentliche Person und habe eine gewisse Vorbildfunktion. «Das Verhalten von Alois Gmür entspricht nicht dem Verhalten, das man der Bevölkerung in Corona-Zeiten leider vorschreiben muss.» Auch Mitte- Fraktionschefin Andrea Gmür tadelt in der Zeitung ihren Namensvetter: «Die Fasnacht ist eine Zeit, in der man vor überschäumender Freude manchmal den Geist ausschaltet – aber das soll nichts rechtfertigen. Alois Gmür muss selbst die Verantwortung für sein Verhalten übernehmen.» Alois Gmür zieht trotz Kritik seine Aussagen nicht zurück, wohl aber die Darstellung, er wäre mittendrin gewesen: «Ich war auf dem Brauereiplatz vor dem Restaurant Rosengarten und habe mir die ankommenden und abgehenden Hudi angeschaut und auch dort ‹20 Minuten› das Interview gegeben.» Bei der Brauerei kam am Montag lediglich ein Bruchteil des Umzugs vorbei. Und Zuschauer hat es dort ohnehin nie.

Gmürs Aussagen riefen im Netz heftige Reaktionen hervor: «Eine solche E-Mail-Flut habe ich noch nie erlebt», sagt er gegenüber unserer Zeitung. Über 200 E-Mails aus der ganzen Schweiz erreichten den Einsiedler Mitte-Nationalrat – nach seiner Einschätzung war ein Drittel positiv, zwei Drittel negativ. «Unter anderem mit Aufforderung zum Rücktritt als Nationalrat, der Boykottierung der Einsiedler Biere oder dem Spendenstopp für die Pfadistiftung. » Klarheit herrscht immerhin innerhalb der Partei. Präsident Gerhard Pfister liess online wissen, dass mit seiner veröffentlichten kritischen Stellungnahme zu den Äusserungen von Nationalrat Alois Gmür «die Sache für uns erledigt ist. Ein Parteiausschluss war nie ein Thema und wird es auch nicht sein».

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