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Milchmanufaktur Einsiedeln

LESERBRIEFE

Milchmanufaktur Einsiedeln stockt ihr Aktienkapital auf (EA 3/21)

Das bisherige Aktienkapital von 894’000 Franken soll auf 1,34 Millionen Franken aufgestockt werden. Von den 223 zur Zeichnung aufgelegten Aktien wurden deren 143 oder nur rund zwei Drittel gezeichnet. Das machte uns stutzig und wir klickten auf die Homepage der Milchmanufaktur Einsiedeln, um nach Hintergründen für diese Tatsache zu suchen. Da steht zum Projektstart im Jahre 2012 der Satz: «Über 60 Bauernfamilien und weitere interessierte Personen haben sich dafür entschieden, den Einsiedlerinnen und Einsiedlern wieder ein Stück Heimat zurückzugeben. » Gemeint ist damit die Realisierung der Milchmanufaktur. Eine gute Idee, so meinen wir.

Weiter heisst es dann unter dem Titel «Hinter den Kulissen der Milchmanufaktur» unter www.myswitzerland.com: «Die Milch von rund 60 Bauernhöfen der Region Einsiedeln wird in der Milchmanufaktur verarbeitet.» Im Bericht zum Geschäftsjahr 2020 sagt Geschäftsführer René Schönbächler, es seien rund 1 Million Kilogramm Milch verarbeitet worden. Das entspricht einer Tagesmilchmenge von knapp 3000 Kilogramm Milch und das soll, wie es oben heisst, die Milch von 60 Bauernhöfen aus der Region sein. Diese Verarbeitungsmenge können 10 Lieferanten problemlos abdecken. Was geschieht nun mit der Milch von den andern 50 Bauernhöfen? Auf die Frage an einen von diesen 50 Bauern, ob er jetzt bei der Aufstockung auch wieder Aktien gezeichnet habe, kam ein promptes Nein: «Meine Milch geht so oder so nicht zur Milchmanufaktur. Logischerweise muss unsere Milch in Kanäle ausserhalb der Region fliessen. Uns braucht man nur als Schausteller. Ich würde meine Aktien zu einem günstigeren Preis als das Angebot der Milchmanufaktur weitergeben.» Blickt man noch tiefer und sucht man nach weiteren Details, so wirds interessant. Da stellen wir fest: Gemäss den Jahresrechnungen 2018 und 2019 wurde bei einer Gesamtkreditsumme von rund 3,8 Millionen Franken lediglich total 12’500 Franken abgeschrieben. Geht die Kreditamortisation in diesem Tempo weiter, und es waren ja nicht schlechte Jahre, dann dauert dies rund 300 Jahre, bis die Kreditsumme getilgt wäre. Aktuell besteht folglich im Kreditbereich ein Amortisationsrückstand von etwas über 300’000 Franken. Im Bericht des Verwaltungsrates zur Rechnung 2019 Zitat: «Auf Stufe Betriebsgewinn vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (EBITDA) gelang eine Punktlandung auf Vorjahresniveau.» Wenn man keine Kreditamortisationen budgetiert, müssen auch keine gemacht werden, ansonsten ja nicht mehr eine Punktlandung möglich wäre! Weiter fällt auf: Die Beiträge des Bezirks Einsiedeln an die Milchmanufaktur machen gemäss den Bezirksrechnungen zusammengezählt den stolzen Betrag von rund 450’000 Franken aus. Warum hat man diese nicht zur Kreditamortisation verwendet, sondern einfach in der Rechnung verschwinden lassen?

Nun erwartet Geschäftsführer René Schönbächler für das Jahr 2020 statt eines Spitzenjahres, logischerweise wegen Corona, ein deutlich schlechteres Betriebsergebnis. Diese Tatsache schleckt keine Geiss weg. Eine Schönwetterperiode scheint der Milchmanufaktur nicht gerade bevorzustehen. Da braucht es noch grosszügige Coronakredite und weitere Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Unter diesen Gesichtspunkten wäre es sicherlich im Interesse der Kreditgeber und der Milchmanufaktur, wenn die Aktienkapitalerhöhung möglichst grosszügig überzeichnet würde. Ob dieses Wunschdenken aber in Erfüllung geht, steht in den Sternen und Sterne sieht man am besten in der Nacht, wenn andere Leute schlafen oder gar von besseren Zeiten träumen.

Markus Kälin-Steinegger (Einsiedeln) Koni Suter (Pfäffikon)

Zum Leserbrief von Christan Kälin «Bundesrat schuldet Exit-Strategie» (EA 4/21)

Die Regierungen zum Beispiel in den Ländern Butan, Vietnam und Neuseeland könnten ihnen genau sagen, was für Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Bei der ersten Welle konnte dort die ganze Gesellschaft am Erfolg der Schutzmassnahmen partizipieren und bleibt so motiviert. Der Erfolg hängt nicht nur von den Einreisebedingungen und der Umsetzung ab, sondern beruht auf den Massnahmen zur Stärkung des Immunsystems. Hier in der Schweiz wie auch in Europa gab es im Gegensatz eine Teilpartizipation nach der ersten Welle. Sodass es zu einem Schwarzpeterspiel um die Schutzmassnahmen kommt.

Nun zu den neuen Turbo-Virenmutationen: Bis jetzt brauchte es zwischen 1000 bis 500 Viren, dass man infektiös wurde. Bei der Brasilianischen Variante mit der Mutation E484K ist der Wert bei 281 bis 169 Viren angelangt. Die höhere Zahl der jeweiligen Werte gilt für den Sommerzustand von einem durchschnittlichen menschlichen Immunsystem. Das bedeutet, eine schwach ausgelegte Stoffmaske hat nicht mehr die gleiche Schutzwirkung wie vorher. Auch bei den anderen Hygieneschutzmassnahmen sind dann Nachbesserungen angezeigt. Und aussitzen bis der Impfschutz wirkt, ist keine gute Option. Ich empfehle den Politikern, strategisch proaktiv zu handeln, denn die Infektions-Eigenschaft dieser oder vergleichbarer Varianten sind die Grundlage für neue Virenmutationen, welche den Impfstoff-Antworten ausweichen werden. Die nächste und weitere Impfstoff-Kampanienenwellen lassen grüssen. Mein Zwischenfazit: Volkswirtschaftswachstum und Gesundheitsschutz beissen sich nicht bei einer Null-Eindämmgunsstrategie – siehe den Erfolg von Vietnam im vergangenen Jahr.

Die kritische Lehre aus der Pandemie ist, dass individuelles Handeln sehr wichtig ist, aber es kann nur aufrechterhalten werden, wenn es ein Gefühl der Gemeinschaft gibt, um das Verhalten anzutreiben.

Andreas Noske (Einsiedeln)

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Redaktion Einsiedler Anzeiger

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