Veröffentlicht am

«Ein Bier-Sommelier ist auch ein Geschichtenerzähler»

«Ein Bier-Sommelier ist auch  ein Geschichtenerzähler» «Ein Bier-Sommelier ist auch  ein Geschichtenerzähler»

Bier ist Bier. Oder doch nicht? Christian Maag wollte es genau wissen und absolvierte ein Spezialistenseminar von GastroSuisse und des Brauerei-Verbandes.

VICTOR KÄLIN

Gratulation! Seit dem 6. Januar sind Sie offiziell ein Bier-Sommelier. Doch was ist das? Das ist ein Fachkenner in Sachen Biergenuss. Das ist wohl die einfachste Umschreibung. Der Begriff Sommelier ist bisher eher bekannt aus der Weinbranche.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Spezialistenseminar zu besuchen? Wer in Einsiedeln aufwächst, kommt irgendwann automatisch mit Bier in Kontakt. Bei mir steigerte sich das Interesse kontinuierlich und durch mein Engagement bei «beachplus.ch» habe ich die Möglichkeit, unseren Gästen die Vielfalt des Bieres aufzutischen. Konkret auf das Seminar aufmerksam machte mich allerdings mein bester Freund Christoph Lienert – der stellvertretende Präsident des Schweizer Brauerei-Verbandes. War die Ausbildung happig?

Trotz zeitweiser Online-Schulung empfand ich sie sehr angenehm. Es zeigte sich einmal mehr, dass das, was wirklich interessiert, leichter zu lernen ist. Gefreut hat mich, dass die Abschlussprüfung unter Einhaltung aller Corona-Vorschriften physisch hat durchgeführt werden können – mit Theorie und Praxis inklusive Blindtest. Als «frisch zertifizierter Bier-Sommelier sind Sie nun bereit, das angeeignete Wissen rund um das Bier richtig einzusetzen und als Botschafter weiterzugeben », schreibt der Brauerei-Verband. Wie kann man sich das konkret vorstellen? Ich verstehe mich tatsächlich als Botschafter. Ich kämpfe sozusagen für das Image des Bieres, das als Billiggetränk gehandelt wird und gegenüber dem Wein meines Erachtens viel zu schlecht abschneidet. Schauen Sie sich doch einmal die Vielfalt an hiesigen Bieren an: Fast jede Geschmacksrichtung wird irgendwo in der Schweiz hergestellt. Vor allem in der Westschweiz sind der Experimentierlust keine Grenzen gesetzt. Das Wissen um diese Vielfalt erweitert den persönlichen Horizont. Ich sage nur: Ehret einheimisches Schaffen. Und so kann ich auch nicht verstehen, weshalb jemand ein Lagerbier aus Übersee importiert, nur weil das «cool» sein soll.

Für jede Situation gäbe es ein passendes Bier, schreiben die Organisatoren. Ist das wirklich so: Bier zum Hauptgang …? Ja, definitiv. Doch viele machen den Fehler, alles Bier zu kalt zu trinken. Jedes Bier hat seine ideale Trinktemperatur. Und je komplexer ein Bier, desto wärmer sollte es sein. So kann es sich besser entfalten. Haben Sie ein Lieblingsbier?

Ja, das Freibier! Und aus lokaler Sicht das ULLR Rye Pale Ale und – ganz wichtig – das Einsiedler Lager aus der Dose. Der Kurs ist vorbei. Doch welche Erkenntnis hat Sie am meisten überrascht? Die Vielfalt auch der alkoholfreien Biere. Und wie gut diese inzwischen schmecken. Niemand muss sich mehr verstecken; das Stigma des alkoholfreien Bieres ist im Fallen.

Die Ausbildung zeigte des Weitern, dass ein Bier-Sommelier auch ein Geschichtenerzähler ist. Nicht umsonst gilt Bier als das geselligste Getränk überhaupt … darum geht man ja auch ins Feierabendbier und nicht etwa in den Feierabendwein. Und jetzt – gehts am 20. Februar an die Schweizermeisterschaft der Bier-Sommeliers? Nein. Aber ich habe vor, in München die Diplomausbildung zum Bier-Sommelier zu machen. Meine Anmeldung ist akzeptiert. Und dann werden wir sehen.

Ihre Lieblingsgetränke?

Bier, Drei-Herzen-Kaffee und Mineralwasser. Foto: Victor Kälin

Christian Maag

Jahrgang: 1982 Wohnort: Einsiedeln Beruf: Kaufmann Hobbys: Lesen, Snowboard Handball, Quiz … und natürlich Bier!

Share
LATEST NEWS