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«Meistens messerscharf»

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Servicemann Silvio Hafele verrät im Interview, wie er Wendy Holdener einen schnellen Ski wachst Heute Abend startet Wendy Holdener beim Weltcup-Slalom

Servicemann Silvio Hafele verrät im Interview, wie er Wendy Holdener einen schnellen Ski wachst

Heute Abend startet Wendy Holdener beim Weltcup-Slalom in Flachau. Ihre Skis werden von Servicemann Silvio Hafele präpariert, mit dem dem sie schon seit mehr als sechs Jahren zusammenarbeitet. 35-jährige Österreicher aus St. Anton weiss dabei nicht nur, wie scharf er Wendys Kanten schleifen muss.

WOLFGANG HOLZ

Herr Hafele, Sie haben die Skier von Wendy Holdener fürs Abfahrtstraining und später für die Abfahrt in St. Anton präpariert. Wie schnell sind die Skier jetzt? Echte Raketen? Wendy ist es ja gewohnt, schnelle Skier zu fahren, aber für normale Skifahrer wäre es sicher ungewohnt. Man versucht natürlich sein Bestes, aber schlussendlich nützt ein schneller Ski alleine nichts – man braucht auch einen guten Athleten, sonst könnte ja jeder eine Weltcup-Abfahrt fahren.

Wie gehen Sie als Servicemann jeweils vor, wenn Sie Skier von Wendy präparieren? Vor den Rennen gibt es ja meistens ein Hangfahren, und dort kann man sich dann ein Bild von den Bedingungen auf der Piste machen. Zusätzlich wird natürlich die Wettervorhersage miteinbezogen. Je nach Beschaffenheit der Piste wird dann der Ski präpariert. Hat Wendy bestimmte Vorlieben und Wünsche für ihre Skier oder verlässt sie sich ganz auf Ihre Erfahrung? Nach sechseinhalb Jahren weiss man schon, was für Wendy funktioniert. Den Überblick über alle Skier habe ich aber schon, bevor wir neues Material testen. Das wird natürlich alles mit Wendy abgesprochen. Wie viele Skier für ein Rennen bereiten Sie vor, und welche Unterschiede gibt es in der Vorbereitung, je nachdem, ob Sie einen Slalom-, Riesenslalom-, Abfahrts- oder Super-G-Ski präparieren?

Grundsätzlich ist jede Disziplin natürlich ein bisschen anders. In den Speeddisziplinen findet nur ein Lauf statt, deshalb reicht meistens ein Rennski aus. Aber im Slalom und Riesenslalom mit zwei Läufen braucht man schon einen Ersatzrennski, falls man einen Stein erwischt. Des Weiteren verwenden wir in den technischen Disziplinen auch mehr verschiedene Modelle als im Super- G und in der Abfahrt, da wir im Speed ja auch nicht auf ganz so viele Trainingstage kommen. Im Slalom und Riesentorlauf ist die Präparierung der Kanten wichtiger als das Wachs, im Speed wird mehr Wert auf das Wachs und das High-Fluor- Finish gelegt. Das Fluor, das ja noch wasserabweisender und noch schneller ist als das Heisswachs, wird dabei als Pulver oder als Spray auf den gewachsten Ski aufgetragen.

Das heisst, Sie bügeln das Wachs im Prinzip einfach auf den Skibelag auf, wie man es noch aus Jugendskirenntagen gewohnt ist? Das wird immer noch aufgebügelt, wie eh und je!

Ist Rennwachs etwas Besonderes oder kann man das einfach im Laden kaufen? Natürlich bekommen wir von den Wachsfirmen auch Testprodukte, die noch nicht auf dem Markt sind. Aber grösstenteils kann man die Produkte auch überall kaufen.

Haben Sie auch Wachsgeheimnisse – und gibt es so etwas wie «Wachsspionage» unter den Teams? Jeder Servicemann hat sicher seine kleinen Geheimnisse, aber Wachsspionage oder ähnliches habe ich noch nicht miterlebt!

Haben Sie sich schon einmal verwachst? Natürlich gibt es auch einzelne Rennen, bei denen man denkt, dass ein anderes Wachs vielleicht besser gewesen wäre, aber wenn ein Ski grundsätzlich gut läuft, dann ist es fast unmöglich diesen zu verwachsen.

Wie scharf sind die Kanten von Wendys Skiern? Meistens messerscharf. Wenn der Schnee aggressiv ist, kann man die Kanten immer noch mit einem Kantengummi wieder stumpfer machen. In der Formel 1 haben Piloten mit einem zweitklassigen Rennauto keine Chance, vorne mitzumischen. Wie sieht das im Alpinen Skiweltcup aus? Kann ein Topfahrer einen schlecht gewachsten Ski durch sein Können ausgleichen und trotzdem noch einen hervorragenden Platz herausfahren? Das ist auf jeden Fall möglich, da bei uns der Faktor Mensch sehr sehr viel höher ist als in der Formel 1. Am wichtigsten ist für mich die perfekte Abstimmung des ganzen Pakets – Schuh, Bindung, Platte, Ski. Das gehört alles zusammen, und genau das macht diese Arbeit so interessant, da es bei allen Faktoren oft nur Kleinigkeiten sind, die den Unterschied machen.

Welchen Anteil hat ein Servicemann aus Ihrer Sicht grundsätzlich am Erfolg einer Rennläuferin oder eines Rennläufers? Natürlich ist das ein sehr wichtiger Faktor – jedoch ist der Servicemann auch nur so gut wie sein Athlet, so ehrlich muss man sein. Ich will damit sagen, wenn ein Wachsmann einen guten Skifahrer betreut, ist das kein Grund, überheblich zu werden.

Bekommen Sie von Wendy Lob und Dank für Ihre Arbeit? Lob muss ich nicht immer haben, das wäre ja kitschig. Aber ja, Wendy ist schon sehr dankbar. Wie viele Stunden brauchen Sie für den Skiservice für Wendy Holdener an einem Rennwochenende? Verbringen Sie viele Nachtschichten im Skikeller? Das ist sehr unterschiedlich, wobei öfters die Rennen weniger Arbeit machen als ein Training – denn dann testet man oft mehr Skier und muss neue Skier einfeilen, montieren – und das gibt dann viel Arbeit. Wenn zudem eine weite Anreise zu einem Rennen notwendig ist und man erst um 17 Uhr im Skiraum anfangen kann, dann kann es aber auch schon mal spät werden. Wie kommt es, dass ein Österreicher wie Sie für eine schweizerische Skirennläuferin arbeitet? Hat das mit Wendys Skimarke Head zu tun? Ja, das hat natürlich mit meinem österreichischen Arbeitgeber Head zu tun.

Wie lange präparieren Sie die Skier von Wendy schon – und trifft man sich auch mal auf einen gemütlichen Schluck Bier nach einem gelungenen Rennweekend?

Das ist jetzt die siebte Saison mit Wendy. Natürlich wird auch mal angestossen, wenn es gut läuft, das gehört dazu. Als Servicemann ist man prinzipiell eine wichtige Bezugsperson für den Athleten, der auch mal mit einem Probleme bespricht, die über den reinen Skiservice hinausgehen.

Letzte Frage: Wann sind Sie als Servicemann unterm Strich glücklich? Wenn ich mit meiner Arbeit Wendy helfen kann, erfolgreich zu sein.

«Der Servicemann ist auch nur so gut wie sein Athlet.»

Mit kritischem Blick beäugt Servicemann Silvio Hafele die von ihm für Wendy Holdener präparierten Skier. Foto: zvg

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