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Urs Kryenbühl hat in Bormio die Skifans zweimal entzückt

Urs Kryenbühl hat in Bormio die Skifans zweimal entzückt Urs Kryenbühl hat in Bormio die Skifans zweimal entzückt
Der Unteriberger hat auf der Stelvio in Bormio mit dem dritten Rang in der Abfahrt bereits den zweiten Podestplatz in der dritten Abfahrt dieses

Der Unteriberger hat auf der Stelvio in Bormio mit dem dritten Rang in der Abfahrt bereits den zweiten Podestplatz in der dritten Abfahrt dieses Winters herausgefahren – und mit Rang acht im Super-G ein neues Bestresultat erzielt.

KONRAD SCHULER

Es war so etwas wie die definitive Reifeprüfung des bald 27-jährigen Unteribergers. Vor einem Jahr gelang ihm mit dem Husarenritt auf Rang zwei in der Abfahrt von Bormio der Durchbruch in die Weltelite. Erstmals ging der Stern des überaus talentierten Skifahrers damals so richtig auf. Vor drei Wochen in Val d’Isère folgte mit Rang drei die Bestätigung, dass der Husarenritt vom 28. Dezember 2019 auf der Stelvio keine Eintagsfliege war. Hundertstel-Krimi begeisterte

Mit der Startnummer zehn fuhr Urs Kryenbühl am Mittwoch in Bormio die vorübergehende Bestzeit und löste seinen Teamkollegen Mauro Caviezel auf dem Leadersessel ab. Wieder konnten die Skifans auf ein Superergebnis hoffen, waren doch mit dem Topfavoriten Ryan Cochran- Siegle, der im Training zweimal Bestzeit gefahren war, mit dem Disziplinen-Weltcup-Führenden Aleksander Aamodt Kilde sowie mit den beiden Schweizern Beat Feuz und Mauro Caviezel schon einige Mitfavoriten im Ziel.

Gleich nach Urs Kryenbühl fuhr der Österreicher Vincent Kriechmayr in allen Zwischenzeiten Bestzeit und setzte sich am Schluss mit nur gerade zwei Hundertstelssekunden vor Urs Kryenbühl. Schon mit der Nummer 13 folgte mit Matthias Mayer der nächste Mitfavorit aus Österreich und toppte die Zeit seines Teamkollegen nochmals um vier Hundertstel. Nun begann das Zittern um den Podestplatz von Kryenbühl, denn mit dem sechsfachen Bormio- Sieger Dominik Paris folgte mit der Startnummer 15 noch ein weiterer Mitfavorit. Der Italiener kam mit 13 Hundertstelssekunden Rückstand auf Matthias Mayer und sieben Hundertstel Rückstand auf Urs Kryenbühl ins Ziel und setzte sich auf Rang vier fest.

Die Ironie des Schicksals: Letztes Jahr gewann Dominik Paris mit acht Hundertstelssekunden Vorsprung auf Urs Kryenbühl, heuer verteidigte Urs Kryenbühl seinen Podestplatz mit sieben Hundertstelssekunden Vorsprung vor Dominik Paris. Andererseits war der Unteriberger dieses Mal nur sechs statt acht Hundertstel hinter dem Bormio-Sieger Mayer – und landete dieses Mal auf Platz drei statt auf Platz zwei. Kryenbühl selbst kann nicht sagen, wo die wenigen Hundertstel für den Sieg liegengeblieben seien. So ein paar Hundertstel könne man überall finden. «Vielleicht habe ich den Finger etwas zu wenig weit nach vorne gestreckt im Ziel», resümierte er nach dem Rennen.

Urs Kryenbühl hat auf einer der spektakulärsten, schwierigsten, attraktivsten, herausforderndsten und anspruchsvollsten Abfahrtspisten im Weltcup diese Reifeprüfung mit Bravour bestanden. Er überzeugte vom Start bis ins Ziel mit einer angriffigen und fehlerfreien Fahrt.

Wo er die Skier laufen lassen konnte, liess er sie laufen. Wo er eine schnelle Linie brauchte, fand er sie. Mit seinem ausgesprochenen Fahrgefühl und seinem beeindruckenden technischen Können entzückte er die Skifans und seine Gegner. Matthias Mayer meinte auf eine entsprechende Frage: «Urs Kryenbühl hat eine Superleistung gezeigt. Er wird in Zukunft sehr gefährlich werden.»

«Kämpfen, kämpfen, kämpfen»

Für Urs Kryenbühl war dieser Erfolg ein sehr hartes Stück Arbeit. «Es war einfach ein Kampf, es war wahnsinnig streng. Ich spürte schon eine grosse Anspannung vor dem Start, vielleicht war meine Erwartungshaltung etwas gross.» Es sei ihm aber relativ gut gegangen, er habe einen guten Grip gehabt.

«Ich bin sehr, sehr zufrieden mit meiner Fahrt. Ich bin umso stolzer, dass ich es so zeigen konnte.» Noch beim Interview war ihm die grosse Kraftanstrengung anzumerken. Was er denn so gedanklich tue während der Fahrt, wurde er gefragt. «Man führt viele Selbstgespräche. Aber im Grunde genommen geht es immer ums gleiche. Kämpfen, kämpfen, kämpfen, bis ins Ziel.»

Karrierebestergebnis im Super-G

Auf der schwierigen Piste in Bormio zeigte Urs Kryenbühl am Dienstag auch im Super-G einen weiteren Aufwärtstrend an. Erstmals konnte er in den Top 30 an den Start gehen. Mit der 22 überzeugte er auf der ganzen Linie von oben bis unten und erzielte als Achter und zweitbester Schweizer das erste einstellige Super-G-Ergebnis in seiner Karriere. Damit hat er nun auch Tritt in der zweiten Speeddisziplin in der angestrebten erweiterten Weltspitze gefunden. «Ja, ich bin sehr zufrieden. Die Fahrt ist mir recht gut gelungen. Man hat nichts gesehen, in Bormio ist die Sicht immer schlecht, es ist immer dunkel, es hat geschlagen, man musste trotzdem auf Zug fahren», liess er sich entlocken.

«Urs Kryenbühl hat eine Superleistung gezeigt. Er wird in Zukunft sehr gefährlich werden.»

Matthias Meyer, Abfahrtssieger von Bormio

Urs Kryenbühl wird von seinen Teamkollegen gefeiert nach seinem Podestplatz in Bormio. Foto: zvg

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