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«Ihr dürft darüber sprechen!»

«Ihr dürft darüber sprechen!» «Ihr dürft darüber sprechen!»

Selbsthilfegruppe für Sternenkinder-Eltern des Vereins Regenbogen

Alessia Gatti Schuler setzt sich für ein wichtiges Tabuthema ein. Seit vor vier Jahren ihr Sohn Niven bei der Geburt überraschend verstarb, befasst sie sich mit dem Thema Sternenkinder. So werden Kinder genannt, die vor, bei oder kurz nach der Geburt versterben.

as. Der Verein Regenbogen Schweiz ist eine Selbsthilfegruppen- Vereinigung von Eltern, die um ein verstorbenes Kind trauern, egal welchen Alters und welcher Todesursache. Es gibt verschiedene Wege, mit der Trauer leben zu lernen und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Für betroffene Eltern ist es jedoch hilfreich zu wissen, dass man mit dieser Situation nicht alleine ist. Und es bringt erwiesenermassen Erleichterung, das harte Schicksal gemeinsam zu tragen.

Im geschützten Rahmen einer Selbsthilfegruppe, angeleitet von selber betroffenen Eltern, gibt es die Möglichkeit, über seine Gefühle zu sprechen, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen oder auch nur zuzuhören. Betrifft jährlich 1200 Familien

Ein Kind zu verlieren ist nämlich gar nicht so selten, es wird nur kaum darüber gesprochen. Das schreckliche Schicksal, sein Kind nicht aufwachsen zu sehen, trifft in der Schweiz jedes Jahr rund 1200 Familien. Statistisch gesehen stirbt nur schon eines von fünf Kindern bis zur Geburt. Es ist also wichtig, dass darüber gesprochen wird und dass man diesen Kindern und deren Eltern einen Platz gibt, dabei muss nicht für jedes Elternpaar die gleiche Lösung «richtig» sein.

Gründung einer Selbsthilfegruppe Im Namen von Regenbogen Schweiz möchte nun Alessia Gatti Schuler eine Papillon-Selbsthilfegruppe gründen, die sie leiten wird. Diese Untergruppe soll für Sternenkindereltern in der Region Einsiedeln und Umgebung sein. Hier darf man sich austauschen und merkt schnell, dass man mit seiner Trauer, Wut oder auch seinem Schmerz nicht alleine ist. Aus eigener Erfahrung weiss die 37-jährige Einsiedlerin, wie wichtig und hilfreich es sein kann, sich mit «Gleichgesinnten » zu treffen, auszutauschen und füreinander da zu sein. Ganz unter dem Motto: «Wir nehmen dich in einem geschützten und liebevollen Umfeld an die Hand. Du bist nicht alleine!» Klar sei es heute einfach, sich im Internet Hilfe zu suchen, aber oft hilft der persönliche Kontakt mehr als eine anonyme Internetbekanntschaft.

Seit ein paar Wochen wirbt die Trauerbegleiterin und Doula in Ausbildung für die Papillon- Selbsthilfegruppe: «Ich warte zurzeit noch auf Anmeldungen, die Hemmschwelle ist halt bei vielen schon da. Aber bereits mit wenigen Personen können wir starten, also meldet euch. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass man das Tabuthema brechen muss und darüber sprechen darf !»

Ehrenamtliche Unterstützung

Alessia Gatti Schuler setzt sich ehrenamtlich auch beim Verein Himmelskind für die Akuthilfe und Trauerbegleitung ein, die jede «Hätte ich das doch nur früher gewusst!»-Situation vermeiden und mit den Eltern den, in dieser schweren Situation, bestmöglichen Weg gehen will. Die meisten Betroffenen wissen nämlich nicht, was man im Falle eines Kindstods für Rechte hat. Auch später begleiten die ehrenamtlichen Helferinnen von Himmelskind die Sterneneltern auf dem schwierigen Weg, so lange wie sie gebraucht werden.

Egal, wie lange die Zeit mit dem (ungeborenen) Kind dauerte, sie hat die Betroffenen zu Eltern gemacht und diese Rolle darf auch eingenommen werden. «Ich bin Mutter von drei Kindern », sagt Alessia Gatti Schuler selbstbewusst. Wenn sie dann aber in einem Gespräch ergänzt, dass eines ihrer Kinder bei der Geburt gestorben ist, weiss das Gegenüber meistens nicht wie damit umzugehen. Es sei aber wichtig, über einen solchen Verlust zu sprechen und anderen damit zu vermitteln, dass es das gibt, dass es schrecklich ist, aber dass man lernt, damit zu leben und vielleicht sogar stärker aus dieser Krise herauskommt.

Sternenkind-Eltern dürfen sich gerne bei Alessia Gatti Schuler melden unter 079/767’65’10 oder [email protected]

Es spielt keine Rolle, ob wir unsere Kinder an der Hand haben oder im Herzen – sie bleiben unsere Kinder. So ist es wichtig, Sternenkindern einen Platz in der Familie zu geben, Niven Schuler hat ein Grab auf dem Friedhof und eine Gedenkstätte bei der Familie zu Hause.

Foto: zvg

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