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«Es macht Spass, so ein Auto zu fahren»

«Es macht Spass, so ein Auto zu fahren» «Es macht Spass, so ein Auto zu fahren»

Gespräch mit Ruedi Füchslin vom Einsiedler Autohaus über die harzige Nachfrage nach Elektroautos

Politiker wollen, dass Elektroautos Benziner und Diesel zum Schutz der Umwelt von den Strassen verdrängen. Doch der Verkauf der Stromer harzt nach wie vor. Davon kann auch Ruedi Füchslin von der gleichnamigen Einsiedler Autogarage ein Lied singen. Ein energiegeladenes Gespräch.

WOLFGANG HOLZ

«Es macht richtig Spass, so ein Auto zu fahren. » Ruedi Füchslin ist begeistert. Ja, er schwärmt geradezu. Der Serviceleiter der Autogarage Füchslin in Einsiedeln fährt seit diesem Frühjahr einen VW E-Golf mit Elektromotor. «Der Wagen hat ein tolles Drehmoment, und man kann deshalb sehr gut mit ihm überholen», erklärt der 53-Jährige, der mit seiner Familie in Gross wohnt.

Mit Solarstrom vom Dach

Dabei fasziniert den Einsiedler Automechaniker nicht nur die dynamische Fahrweise seines Elektromobils sondern auch das Rekuperieren, sprich das Laden der Batterie beim Abwärtsfahren und Verlangsamen der Fahrt. Er kann seinen «Stromer» auch zu Hause in der Garage aufladen. «Mit Solarstrom vom Dach», sagt er stolz. Grüner gehts tatsächlich fast nicht. «Natürlich muss man beim Fahren mit einem Elektroauto grundsätzlich mehr planen als mit einem Benziner oder einem Diesel.» Wobei er seinen E-Golf mit einer Reichweite von rund 230 Kilometern nur alle zwei Wochen an die Steckdose anschliessen muss – benutzt er sein Elektroauto eben vor allem für die Fahrten von Gross nach Einsiedeln und zurück. Wenn es privat bei ihm auf Reisen gehen soll, steigt die Familie in einen VW Caddy Diesel – für den Langstrecken kein Problem sind.

Nur kurze Reichweiten

Für Elektroautogegner sind dagegen gerade die immer noch vergleichsweise kurzen Reichweiten der Strom gespeisten Vehikel von maximal gut 400 Kilometern eines ihrer Hauptargumente, sich nach wie vor lieber für einen Benziner, Diesel oder einen Hybridantrieb beim Autokauf zu entscheiden. Dieses Argument kann Ruedi Füchslin auch nicht entkräften – auch wenn die meisten der täglich pendelnden Autofahrer sicher bei Weitem keine 400 Kilometer pro Tag unterwegs sind. Da bliebe also jeden Tag genügend Zeit, das Elektroauto nachts wieder aufzuladen.

Doch nicht alle Haushalte, vor allem Bewohner von grossen Mietwohnungsblocks, so Füchslin, könnten eben einfach über Nacht ihr E-Auto auftanken. «Auch Arbeitgeber stellen ihren Mitarbeitern noch zu wenige Stromzapfsäulen zur Verfügung», gibt er zu bedenken. Andererseits ist er grundsätzlich mit der Stromlade-Infrastruktur im Klosterdorf zufrieden. «Die kann sich sehen lassen – wenn es aber mehr E-Autos werden, reicht diese schnell nicht mehr aus.» Nur sehr wenige Stromer verkauft Bis der Verkauf von Elektroautos floriert, könnte es also noch eine gute Weile dauern. Für Garagisten ist es wichtig, diese Zeit zu nutzen, das Know-how der Mitarbeiter aufzubauen, um die Reparaturkompetenz vor Ort sicherstellen zu können.

Der Einsiedler Garagist verhehlt nicht, dass bei Füchslin in den letzten sechs Jahren verschwindend wenige E-Autos verkauft wurden. Und das liege eben nicht nur an dem Reichweitenproblem.

Zu wenige Modelle «Es gibt einfach noch zu wenig verschiedene Elektroautomodelle», erklärt der E-Auto-Fan. Er schreitet die Front der bereitgestellten E-Auto-Modelle ab: einen grasgrünen Skoda Citigo für 19’900 Franken. Einen weissen, völlig unscheinbar aussehenden VW Golf für 35’200 Franken. Und einen in avantgardistischem Grau-Schwarz-Look gestylten, unter anderem mit Design-Felgen ausgestatteten VW Id.3 in Golf-Grösse – für stolze 51’100 Franken (Basismodell ab 39’450 Franken erhältlich).

Eine kurze Probefahrt mit dem futuristischen VW id.3 ist zwar angenehm und beeindruckend – der Wagen beschleunigt fast wie eine Rakete. Doch das Computerscreen dominierte Armaturenbrett und das nüchterne Grau-Schwarz-Ambiente lassen mit Sicherheit nicht nur das Herz etwa eines «Analog- Alfisti» kaum höher schlagen. «Computerscreens haben auch die Teslas», rechtfertigt Füchslin das digitale Design. Recht hat er.

Tesla der «E-Glamour» Doch im Gegensatz fast zu allen anderen Autoherstellern, die sich seit Jahren ins Zeug legen beziehungsweise sich vom Staat gezwungen fühlen, endlich auch Stromer herzustellen, scheint Tesla die einzige Automarke zu sein, deren Elektroautos dem Fahrer und vor allem deren Besitzer einen Hauch von automobilem Glamour bescheren.

Kein Wunder. Unterhält man sich mit Tesla- Fahrern über ihre Fahrten in die Ferien, gibt es kaum welche, die nicht davon schwärmen, wie schnell sie jeweils an den Tesla spezifischen Ladestationen in ganz Europa mit ihrem E-Auto neuen Strom zapften, währenddessen der Rest der Familie sich derweil bei «Coffee to go» und Sandwiches an der Tankstelle verlustierte. Tesla ist tatsächlich nicht nur eine Automarke, die ausschliesslich E-Autos herstellt, sondern der es eben auch gelungen ist, E-Autos zur Marke, ja zum neuen Statussymbol hochzustilisieren. Es gibt quasi keine schlecht gelaunten Tesla-Fahrer.

«Was tatsächlich auch heutzutage noch fehlt, damit in Zukunft mehr Leute Elektroautos fahren, ist die Lust daran, dies zu tun», sagt Ruedi Füchslin fast philosophisch. Wobei er grundsätzlich einen basisdemokratischen Ansatz vertritt, wenn es darum geht, wer welches Auto kaufen möchte.

«Jeder muss das Modell für sich finden, das am besten auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist», ist Füchslin überzeugt. Bei VW verfüge beispielsweise aktuell noch kein E-Auto über den in der Region Einsiedeln so wichtigen Allrad-Antrieb. Auch gebe es noch zu wenige Stadtlieferwagen als Stromer. «Leute, die heutzutage ein Elektroauto fahren, sind umweltbewusst und haben Pioniergeist. » Und Ruedi Füchslin kann den Elektroautos neben ihren ökologischen Vorteilen noch einen anderen positiven Aspekt abgewinnen. Stichwort eingeschränkte Reichweiten. «Vielleicht machen wir uns in Zukunft auch mehr Gedanken darüber, welche Distanzen wir wirklich fahren wollen und müssen.» «Auch Arbeitgeber stellen ihren Mitarbeitern noch zu wenige Stromzapfsäulen zur Verfügung.»

Ruedi Füchslin, Autogarage Füchslin

«Jeder muss das Modell für sich finden, das am besten auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist.»

So sieht ein Elektromotor aus: Ruedi Füchslin, Serviceleiter der Autogarage Füchslin, öffnet die Motorhaube des VW E-Golf. Fotos: Wolfgang Holz

Digitales Design: Das Armaturenbrett im neuen VW Id.3.

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