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«Was in der Wirtschaft passiert ist, ist beispiellos»

Am Mittwoch fand im Seedamm Plaza in Pfäffikon der Unternehmeranlass der Schwyzer Kantonalbank statt. In seinem Ausblick zeichnet Chefanalyst Thomas Heller ein optimistisches Bild. Geduld brauche es aber.

ANOUK ARBENZ

Das muss für die Referenten am Unternehmeranlass der Schwyzer Kantonalbank (SZKB) ein merkwürdiges Bild gewesen sein, als sie von der Bühne aus auf das Publikum blickten: Als wären die Teilnehmenden Teil der «Show», sassen sie mit jeweils 1,5 Meter Abstand zueinander isoliert auf ihrem Stuhl.

So kam Thomas Heller, Leiter Research der Schwyzer Kantonalbank, in seinem Konjunktur- und Marktausblick denn auch sofort auf den Elefanten im Raum zu sprechen. «Die konjunkturellen Auswirkungen der Coronakrise sind beispiellos.» Noch nie habe er einen so starken Einbruch in so kurzer Zeit gesehen.

Erholung braucht Zeit

Der Einbruch betraf alle Länder und vor allem den Dienstleistungssektor, da Gastrobetriebe schliessen oder Events abgesagt werden mussten. Lieferketten wurden unterbrochen, was auch Unternehmerinnen und Unternehmer in der Schweiz zu spüren bekamen.

In den USA sind 13 Millionen Stellen weggebrochen, jeder dritte Beschäftigte stellte einen ersten Antrag auf Arbeitslosenunterstützung. «Und die USA sind nicht einmal am schlimmsten dran.» Beispiellos sei auch die Reaktion der Notenbanken und der Regierungen gewesen, um die Konjunktur zu unterstützen. Da stellt sich die Frage nach der Höhe des Inflationsdrucks. Die Zahlen würden tatsächlich zeigen, dass die Inflationsgefahr wachse. Die Folge davon wäre, dass die Preise steigen. Konjunktur werde sich erholen

«Dennoch glaube ich nicht, dass die Inflation hoch sein wird – einerseits, weil der Arbeitsmarkt dabei ist, sich zu erholen, und andererseits deshalb, weil die Unternehmer mit Investitionen noch länger zurückhaltend sein werden», nahm Heller den Unternehmerinnen und Unternehmern aber die Angst vor einer Geldentwertung.

Wenn die Investoren aber zurückhaltend sind, dürfte das Wachstumspotenzial eingeschränkt sein. Doch auch diesbezüglich ist Heller optimistisch: «Ich glaube nicht, dass das langfristige Wachstumspotenzial tangiert ist. Es dürfte aber selbst im positiven Szenario bis Mitte des nächsten Jahres dauern, um das Niveau vom Schlussquartal 2019 zu erreichen.» Heller geht fest davon aus, dass sich die Konjunktur fangen wird, Tendenzen seien bereits feststellbar. Auch die Aktien hätten sich nach dem starken Einbruch erstaunlich rasch erholt. Das liegt an der Geldpolitik der Staaten, wodurch die Kurse wieder markant stiegen und die Gewinnerwartungen zurückgingen.

Die Folge: Die Aktien und Obligationen sind teurer geworden. Die hohen Bewertungen bereiten Heller Sorgen: «Eine Korrektur ist durchaus wahrscheinlich. » Er relativiert aber auch: «Auf die Tiefststände vom März werden die Aktien sicher nicht fallen.» Nachhaltig tiefe Zinsen Die Geldpolitik ist von zwei gegenläufigen Effekten geprägt: Auf der einen Seite die Verschuldung, die schon vor der Vergabe von Corona-Hilfskrediten hoch war, auf der anderen Seite die Zinsen, die durch die Notenbanken tief gehalten werden. Hinzu kommt, dass in der Krise viele Liquiditätsprobleme hatten und deshalb ihre Besitztümer verkauften, wodurch die sicheren Zinsanleihen stiegen.

Thomas Heller geht fest davon aus, dass die Leitzinsen in der Schweiz auch künftig tief bleiben werden. «Mindestens bis 2022. Das hat man uns versprochen. » Ein weiteres Thema, das der Chefanalyst in seinem Referat ansprach, betraf die Frage nach einem Deglobalisierungstrend. Werden die Lieferketten ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg in die Nähe zurückgeholt? «Bis zu einem gewissen Grad wird man dies beobachten können. Ich glaube aber, dass der Effekt klein sein und auch nicht lange anhalten wird», prognostiziert Heller.

«Ich glaube nicht, dass das Wachstumspotenzial langfristig tangiert ist.»

Thomas Heller, Leiter Research SZKB

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