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«Kämpferisch, wenn es galt, die Interessen des Bezirks zu verteidigen»

«Kämpferisch, wenn es galt, die Interessen  des Bezirks zu verteidigen» «Kämpferisch, wenn es galt, die Interessen  des Bezirks zu verteidigen»

Zwölf Jahre lang arbeiteten sie eng zusammen. Nun haben sich ihre Wege getrennt. Im folgenden Bericht blickt Bezirksammann Franz Pirker auf die Amtszeit von Landschreiber Peter Eberle zurück.

FRANZ PIRKER, BEZIRKSAMMANN

Und plötzlich, am Schluss, geht es dann doch schnell. Der stetige Strom von Aufgaben, den es zu bewältigen gilt, lässt auch jetzt kaum nach. Dossiers vorantreiben, den Bezirksrat in Sachgeschäften beraten, Mitarbeitende führen, sie fachlich unterstützen. Es sind volle Tage, oft lange Tage, die die Arbeit des Landschreibers prägen. Nach 12 Jahren übergibt Peter Eberle das Amt in neue Hände. «Konflikte und Diskussionen hat er nicht gescheut» Im Juli 2008, nach einer Kampfwahl, hat Peter Eberle das Büro des Landschreibers im Rathaus bezogen. Die eigene Rechtsanwaltskanzlei, die er zusammen mit einem Partner geführt hatte, gab er auf, um sich fortan vollständig und ganz auf die Aufgaben des Landschreibers zu konzentrieren.

Pflichtbewusstsein, Durchhaltewillen und eine starke Loyalität gegenüber dem Bezirk erfordert das Amt des Landschreibers zweifellos. Aber nicht nur. Peter Eberle verfocht seine Aufgaben auch mit viel Herzblut, passionniert und mit Biss. «Als Landschreiber war ich kämpferisch, wenn es darum ging, die Interessen des Bezirks zu verteidigen», meint er. Konflikte und Diskussionen hat er nicht gescheut.

Beratung des Bezirksrats – Stärkung der Verwaltung Peter Eberle ist kein Lauter, kein Polteri, der sich in den Vordergrund drängt. Und dennoch hat er die Geschicke des Bezirks stark beeinflusst. Wichtige Geschäfte unterzieht der Bezirksrat seit einigen Jahren als sogenannte Beratungstraktanden einer ersten Lesung. Dies führte zu besser vorbereiteten und diskutierten Entscheiden, die vom Landschreiber immer in rechtlicher Hinsicht geprüft wurden. Das grösste Anliegen war ihm, dass die gefassten Beschlüsse in möglichst jeder Hinsicht «verhebed ».

Auch die Stärkung der Verwaltung war Peter Eberle ein wichtiges Anliegen. Die auf der Verwaltungsebene vorhandenen Sach- und Fachkenntnisse im operativen Bereich müssen den Ressortchefs (Bezirksräten) so vermittelt werden, dass die Behördenentscheide bei den Betroffenen auf die grösstmögliche Akzeptanz stossen. Die Verwaltungsleitung verfügt über grosse Kompetenzen im personellen und organisatorischen Bereich. Peter Eberle hat sich für die Wahrung und Respektierung dieser Kompetenzen und nötigenfalls gegen die Politisierung der Verwaltung eingesetzt.

Mentalitätswandel der Behörden miterlebt Und noch etwas änderte sich über die Jahre hinweg in den Verwaltungen des Landes und besonders auf Gemeinde- oder Bezirksebene: Wenn Entscheidungsprozesse zunehmend aufwendiger wurden, die Komplexität der einzelnen Sachfragen stetig zunahm, dann stand letztlich auch das Bemühen dahinter, die Bedürfnisse der Bevölkerung besser abzudecken und den verschiedensten Anspruchsgruppen möglichst gerecht zu werden. Entscheide können heute nicht mehr nur von «oben herab» gefällt werden. Diesen Wandel der Mentalität in der Verwaltung hiess Peter Eberle stets willkommen. Für Anliegen aus der Bevölkerung, per E-Mail, Telefon oder auch durch einen spontanen Besuch vorgebracht, nahm er sich oft und gerne Zeit. Als Anhänger des Öffentlichkeitsprinzips bediente er interessierte Mitbürger mit den gewünschten Dokumenten.

Nachholbedarf bei den Investitionen Auch Einsiedeln selbst veränderte sich in den vergangenen Jahren, lockte Zuzüger an, wurde grösser. Sind es heute genau 16’007 Einwohner, waren es bei Eberles Amtsantritt noch rund 14’000. «Mehr Menschen, mehr Schulzimmer, mehr Strassen, mehr Leitungen», meint er lächelnd ob der zwar simplen, aber dennoch gültigen Gleichung. Während seiner Amtszeit liessen sich grössere Investitionen nicht mehr aufschieben. Insbesondere bei den Schulen zeigte sich ein hoher Bedarf nach zusätzlichem Raum (Euthal und Kornhausstrasse abgeschlossen, Nordstrasse fast fertig, Trachslau und Gross im Bau).

Eine stets offene Bürotüre

Die Tür zum Landschreiberbüro stand auch für die Mitarbeitenden offen – ein Umstand, der sehr geschätzt wurde. Viele charakterisieren ihn als unkompliziert, umgänglich, unterstützend oder auch «lebenskompatibel » und «brauchbar». Sie schätzten seine Weitsicht und berufliche Erfahrung, seinen Humor wie auch die Gabe, auch mal über sich selber lachen zu können. Nicht selten erschlossen sich einem seine schnell dahingesagten Bemerkungen erst, wenn man schon längst wieder den Raum verlassen hatte. Ein guter Schuss Humor hilft

Humor darf auch im Verwaltungsleben nicht fehlen. So war sich der Bezirk Einsiedeln auch für Fakenews nicht zu schade und der Landschreiber verkündete in den Mitteilungen aus dem Bezirksrat vom 1. April einst feierlich, der Bezirk eröffne in der Baugrube des Hauses Bären einen Bärenpark. Das Tier (ein ausgestopftes Exemplar) war schnell beschafft und am Ostermontag feierte eine Gruppe gut gelaunter Mitbürger die Eröffnung und lauschte der Rede des Bezirksammanns.

Just for members, für Verwaltungsangestellte und den Bezirksrat, schliesslich wurde ein Sketch aus dem Alltag, über die Versandung des Klosterplatzes, am letztjährigen Weihnachtsessen des Bezirks uraufgeführt. Tiefschürfend und abgründig fürwahr. Der Entscheid vor zwölf Jahren

Ein halbes Jahr vor der Wahl wurde Peter Eberle auf eine mögliche Kandidatur angesprochen. Erst wies er die Vorstellung weit von sich, erst nach und nach folgten die Abwägungen, der Gedanke, die Zukunft mitgestalten zu können … Den Entscheid traf er schliesslich auf einer Wanderung von Rapperswil nach Einsiedeln, die plötzlich durch ärgstes Schneegestöber führte. Gut möglich, dass irgendwann unterwegs zwei schwarzgefiederte Gesellen gar einladend krächzten.

Rückblick – Ausblick

Die Arbeit im Rathaus sei ihm eine gute Lebensschule gewesen, meint er, «auch dies war mir stets wichtig». Peter Eberle geht mit grosser Gelassenheit aus seinem Amt, zuversichtlich auf das Wirken des neuen Landschreibers vertrauend und zuversichtlich auch, dass der Bezirk fit für die Zukunft ist. Die Digitalisierung der Verwaltungsabläufe ist auf gutem Wege, grosse langjährige Projekte wie die Stromnetzkonzession konnten abgeschlossen werden.

Das seit zehn Jahren laufende Projekt zur Neukonzessionierung des Etzelwerks geht mit der baldigen öffentlichen Auflage in eine neue Phase über. Dieses Projekt wird er auch weiterhin für den Bezirk betreuen. Ansonsten wird sich der abtretende Landschreiber vielen schönen Dingen widmen, die für lange Zeit etwas zu kurz kamen.

«Mehr Menschen, mehr Schulzimmer, mehr Strassen, mehr Leitungen»: alt Landschreiber Peter Eberle zur Entwicklung von Einsiedeln in den letzten zwölf Jahren.

Foto: zvg

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